Frachter – Es wird gleich besser

Die Dauerkrise treibt vorbei und winkt alles andere als freundlich: Fracht rücken das Rampenlicht auf die Schattenseiten der Zeit, von Klimakrise über fortschreitenden Rechtsruck bis zum kaputten Neoliberalismus. Nach „Bad Sterben“ tourte das Trio fleißig durch das Land, verfeinerte seinen Ansatz zwischen Punk und Emo weiter und arbeitete sich zwischen Wut und Zweckoptimismus am Status Quo ab. „Es wird gleich besser“ darf gerne mal sarkastisch bis zynisch gesehen werden, langt beherzt zu und findet selbst im stets bewusst schroffen DIY-Sound Momente vorsichtiger Hoffnung.
Wobei diese häufig unbeantwortet bleibt, wie im drastischen „04:18 Uhr“, das sehenden Auges von der Katastrophe erfasst wird. Die Natur meldet sich zurück, das Klima schlägt aus, plötzlich kommen die Flutmassen. Drastische Töne mit scharfen Kanten, wütenden und eindringlichen Vocals, dazu die beißende Rhythmusabteilung – wer will da noch über das Wetter reden? Während die gesprochene Chronologie mitten ins Herz trifft, beleuchtet „Here Comes The Sun (aber als Drohung)“ einen anderen, hitzigeren Aspekt. Die Beatles verglühen, die Stimmung erreicht einen anderen Siedepunkt trotz vergleichsweise lichter Töne.
Das Lachen der erbarmungslosen Sonne bleibt im ellenlangen „Slalom“ jedoch außen vor. Frachter toben sich fast sechs Minuten lang mit wachsender Begeisterung aus, mit schneidenden Gitarren, noisigen Einschüben und minimalistischer Melancholie. Speziell die fragilen, intimen Passagen treffen mitten ins Herz, ebenso das finale Durchstarten, das letztlich doch im Distortion-Nebel verhallt. „Gleich wird es besser“ greift den Albumtitel auf, sucht nach Heilung und tastet sich schwerfällig durch das permanente Nichts. Als Gegenpol dienen kurzweilige, wuchtige und erstaunlich leuchtende Abrissbirnen wie „Trafo“ und „Muskelgedächtnis“ mit einem überraschend verstohlenem Lächeln.
Und doch ist Freundlichkeit bevorzugt eine Zier, hinter der die dröhnende Schwerfälligkeit des Seins unfreundlich winkt. „Es wird gleich besser“ langt beherzt zu, aktiviert Schmerzpunkte und tut all das mit erstaunlichem Charme, der verwundert, verletzt und in Unsicherheit wiegt. Frachter gehen ihr zweites Album roh und unmittelbar an, betonen ihre DIY-Stärken und feuern zugleich wiederholt aus allen imaginären Zylindern. Dabei kommen kleine Hymnen raus, eingängige Momente, aber auch großartige Melancholie, die zu den großen Stärken des Trios zählt. Härter, musikalischer, filigraner und herzhafter – eine spannende Entwicklung bringt Frachter auf Kurs Richtung Spitzenklasse.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 01.05.2026
Erhältlich über: Gunner Records (Broken Silence)
Website: www.frachterpunx.de
Facebook: www.facebook.com/frachterpunx
