White Denim – 13

Im Grunde steuerte alles auf diese magische Nummer zu: James Petralli wurde am 13. August geboren. Es ist sein 13. Studioalbum. Die letzte Platte hieß „12“. Und doch ist die neue Platte von White Denim doch so viel mehr als ’nur‘ eine mythische Zahl. Letztlich sollte es um das Leben und die Erfahrungen Petrallis gehen, was – wie die Zahl selbst – sowohl Glück als auch Unglück, Kreativität und Chaos bedeuten kann. Entsprechend vielseitig, abwechslungsreich und gerne unvorhersehbar zeigt sich „13“, wagt sich noch weiter hinaus und fügt sich doch perfekt in den schrägen, doch stets sympathischen Reigen des bisherigen Schaffens ein.
Was es zum Beispiel mit dem schrägen Funk- und Soul-Ausritt „(God Created) Lock And Key“ zu Beginn auf sich hat, lässt sich schwer in Worte fassen. ‚Am 13. Tag erschuff Gott White Denim‘, heißt es im übersteuerten Intro, dann purzeln erst einmal alle Instrumente über den langen Treppenabsatz in die Tiefe. Vorwitziger Beefheart-Rock mit Sex-Appeal ist das unerwartete Ergebnis. Danach lehnt sich „Chew Nails“ ganz weit zurück und holt sich etwas Glam-Chic hinzu. Der Refrain brennt sich binnen Sekunden an, die legere Grundstimmung macht Laune. Mit der Zeitreise „Only A Fool“ ist das kuriose Eröffnungstrio komplett. Leichtfüßige, fast tanzbare Klänge spannen den Bogen von Pre-Disco-Musik zur Gegenwart.
Selbstverständlich kratzt man da nur an der Oberfläche. So findet sich „Hired Hand #2“ auf einmal im Country-Radio wieder, wenngleich mit einem dicken Augenzwinkern garniert und so schräg wie menschenmöglich vorgetragen. An anderer Stelle lässt „Keep Calling Me (Baby)“ die Sonne aufgehen, holt sich Calypso ins Boot und tänzelt leicht angetrunken durch den Tag. „Matchbook Baby“ fällt im Vergleich dazu fast schon ruhig und konventionell aus, sehr gemächlich und gefühlvoll, mit feinen Pop/Rock-Texturen versehen. Die kuriose Hektik von „That’s Rap“, dessen psychedelisches Southern- und Funk-Flair nicht nur den Kopf schütteln lässt, will da auf keinen Fall ausgeklammert werden.
Das hier ist selbst für White Denim sehr, sehr schräg – im besten Sinne, versteht sich. Unzählige Ideen, die sich eigentlich gegenseitig im Weg stehen sollten, finden auf exzellente Weise zusammen. Massig Ohrwürme, eigentümliche Ausritte, noch mehr klassische Momente und zugleich fast proggige Experimente widmen sich dem Leben an sich mit all seinen Aufs und Abs, tanken sich durch unterschiedliche Genres und Schubladen, und werden zugleich von massig Herz und Musikalität zusammengehalten. „13“ wird zur kreativen Spielwiese einer ohnehin sehr kreativen Band, die nicht immer den einfachsten Weg geht, wohl aber immer unterhaltsam bleibt – großes Kino für Entdecker mit Bock auf eingängigen Wahnsinn.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: Bella Union (Bertus)
Website: whitedenimmusic.com
Facebook: www.facebook.com/whitedenimmusic
