HEALTH – Addendum

Einmal mehr steht für HEALTH das Ende einer Ära an. Dieses Mal ist es der Releasezyklus rund um die beiden Geschwisteralben „Rat Wars“ und „Conflict DLC“, der nun abgeschlossen wird. So etwas wie Resteverwertung kommt den Noise-, Industrial- und Electro-Meistern aber keinesfalls in den Sinn. Ihr neuestes Mini-Album verbindet vergangene prominente Kollaborationen mit diversen anderen Tracks. Oder wie es die Band auf den Punkt bringt: „Das Müll-Jahrzehnt geht weiter“. Von Schrott ist „Addendum“ aber meilenweit entfernt, sondern findet eine Art musikalischen Mittelweg der letzten beiden Platten, kleine Überraschungen inklusive.
Klare Klänge und sanfter Gesang überraschen zu Beginn von „Free To Die“, dann bäumen sich Beat und Industrial-Wände auf – schroff, drückend, finster und doch eingängig. Das passt perfekt zu den jüngeren Entwicklungen bei HEALTH, bereitet wohlige Schmerzen und geht nicht mehr aus dem Ohr. Die Beklemmung von „Trials“ fällt sogar noch ein wenig extremer aus und schnürt im Chorus die Kehle zu. Gothic-Understatement und sägende Synthetik schaffen faszinierendes Kargland. Bestens bekannt und doch immer noch gut ist „Be Quiet And Drive (Far Away)“, im Original von Deftones. Hier werden die Gaze-Anteile weiter nach oben gefahren, während Beat und gedankenverlorene Synth wunderbar verstören.
Ein auf gänzlich andere Weise verstörendes Happening ist der Auftritt von Chelsea Wolfe in „Mean“. Der stoische, unterkühlte Banger zeigt die Zähne und geht sogar ein wenig in Richtung 80s-Düster-Synth-Pop – sehr ungewöhnlich und unbequem. „Ruin“ serviert hingegen vertraute Kost – finstere Elektronik, linearer Rhythmus, zurückgelehnte Vocals. „A.L.O.N.E.“ wurde als Reaktion auf den Tod von David Lynch geschrieben, ist zwar weder Twin noch Peaks, geht mit seiner treibenden, furiosen Energie nebst zarter Unterkühlung zugleich nicht mehr aus dem Kopf. Den Abschluss markiert eine weitere Kollaboration, „The Drain“ mit Bad Omens und SWARM. Mit dem metallischen Antrieb, rohen Core-Wänden und gegeneinander ankämpfenden Stimmen entsteht eine packende Klangcollage.
Kurz, knackig und auf den Punkt, das zeichnet HEALTH aus. So ziemlich jegliche Form von Ballast wird ganz locker über Bord gekickt, während die sieben Tracks eine Art goldene Mitte zwischen den letzten beiden Alben finden und doch perfekt für sich stehen. „Addendum“ ist so viel mehr als nur schmuckes Beiwerk – geradezu ein Beleg für die wunderbare Form der Band, die Ohrwürmer schreibt und dabei kalte Schauer über den Rücken jagt, während die Welt langsam, aber sicher untergeht. Und so bleibt letztlich nur eine brennende Frage: Was mag nach dieser starken Ära wohl noch kommen?
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 30.04.2026
Erhältlich über: Loma Vista Recordings
Website: www.youwillloveeachother.com
Facebook: www.facebook.com/healthnoise
