Modest Mouse – An Eraser And A Maze

Modest Mouse
(c) Ben Moon

Mit ihrem ersten Album seit fünf Jahren melden sich Modest Mouse unter besonderen Vorzeichen zurück. Erstmals seit über zwei Jahrzehnten stehen sie nicht bei einem Major-Label unter Vertrag, zudem musste Isaac Brock nach diversen Ausstiegen sowie dem viel zu frühen Krebstod von Gründungsmitglied Jeremiah Green gleich drei neue Musiker ins Line-up integrieren. Ursprünglich als EP für Brocks Nebenprojekt Ugly Casanova gedacht, enstand schließlich „An Eraser And A Maze“, für das der Mastermind nach eigenen Angaben sämtliche Filter deaktivierte und sich einfach von der Musik leiten ließ. Das Ergebnis spricht für sich und wirkt wie eine Rückkehr zu den klassischen Modest-Mouse-Platten der 2000er.

Bereits der Vorbote „Picking Dragons‘ Pockets“ bemühte sich um eine gewisse lautstarke, kurzweilige musikalische Freiheit zwischen schrägen Ideen und unwiderstehlichen Hooks. Die plötzliche Explosion aller Instrumente, der legere Bounce danach und einer von vielen mächtigen Refrains im direkten Anschluss machen Laune. Ein richtig schön überdrehter, sehr spezieller, kauziger Mini-Hit ist das Ergebnis. Und davon gibt es mehrere, beispielsweise „Life’s A Dream“. An der Gitarrenmelodie mit Post-Punk-Beigeschmack kann man sich kaum satt hören, die vermeintliche Leichtigkeit wird immer wieder von wütenden Wänden zerlegt. Nahezu perfektes Spiel mit Laut-Leise-Dynamik unterhält.

Im Falle von „Look How Far…“ braucht es keine drei Minuten, um sich mit hibbeligem Drive und sympathischer nervöser Energie einzubrennen. Das wunderbar ausschweifende „Speak ‚N Spell (Or Not)“ packt einen typischen Modest-Mouse-Refrain aus, kleinere Steigerungen und bunte bis schräge Melodiefolgen inklusive. Inmitten dezenter Überladung wartet purer Charme. Den hat „Absolutely Necessary Never“ ebenso für sich gepachtet, bloß auf etwas zerrissene Weise. Es braucht eben den einen oder anderen Song, der sich selbst im Weg steht, aber trotzdem unterhält. Selbst in den ruhigeren Gefilden, wie das charmante „Third Side Of The Moon“ oder der hymnische, später ausufernde Rausschmeißer „Impossible Somedays“, ist alles eitel.

Etwas überladen, gerne mal komplett übertrieben, aber gerade deswegen großartig: Modest Mouse melden sich in absoluter Ausnahmeform zurück und hauen mal eben ihr bestes Album seit beinahe 20 Jahren raus. Das soll die direkten Vorgänger keinesfalls schmälern, doch besitzt „An Eraser And A Maze“ eben jene schräge, leicht unkontrollierte und doch immer klare, kraftvolle Energie, die das US-Sextett so fantastisch, unberechenbar und mitreißend macht. Ja, die Platte ist etwas lang geworden. Ja, die diversen Zwischenspiele sorgen vor allem in der zweiten Hälfte für ein leicht zerrissenes Erscheinungsbild. Dennoch ist das hier von der ersten bis zur letzten Sekunde verdammt großartig und hat das Zeug zum nächsten Bandklassiker. Modest Mouse bleiben in ihrer schrulligen, sympathischen Art unerreicht.

Wertung: 4,5/5

Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Glacial Pace Recordings / Virgin Music

Website: www.modestmouse.com
Facebook: www.facebook.com/ModestMouse