Violet Grohl – Be Sweet To Me

Violet Grohl
(c) Universal Music

Bekannter Name, große Fußstapfen: Der Name Grohl lässt mehr als nur eine Augenbraue hochgehen, keine Frage. Ob als Drummer für Nirvana, mehr als 30 Jahre als Anführer der Foo Fighters oder in einer Fülle anderer Projekte und Guest-Slots, Dave Grohl zählt zu den bekanntesten Rockmusikern der Gegenwart. Tochter Violet Grohl stand bereits das eine oder andere Mal mit ihm auf der Bühne, schreibt aber auch eigene Songs. Nun landet ein erstes Album der 20jährigen, direkt bei einem Major, was natürlich gewisse Nepo-Unkenrufe auf den Plan wirft. Dabei hatte der Papa mit „Be Sweet To Me“ rein gar nichts zu tun; aufgenommen wurde mit Justin Raisen (u. a. Charli XCX, Kim Gordon), unterstützt durch dessen Freunde und musikalischen Begleiter.

Was aber spielt sich nun tatsächlich auf Platte ab? Eine ganze Menge, wie sich zeigt. Dass Grohl unter anderem ein Faible für PJ Harvey hat, aber auch keinesfalls den elterlichen Plattenschrank ignorierte, wird immer wieder deutlich. Das famose „Last Day I Loved You“ bewegt sich rund um Alternative Rock und Grunge, atmet 90s-Flair und dient einer spannenden Stimme mit Tiefgang als Spielwiese. Das lässige, verspielte „Cool Buzz“ deutet ein wenig Ska an, haut erstaunlich metallisches Riffing raus und macht mit punkigen Sprint zum Abschluss alles flach. Auch „Often Others“ mag es durchaus heavy, zerrt Grunge in die Wüste und lässt heftige Drumrolls erklingen. Da steckt ordentlich Dreck drinnen.

Und dann gibt es Songs wie „Plastic Couch“, die mal eben all das abstreifen und auf verträumten Minimalismus setzen, auf eine gesunde Portion Dream-Pop. Die schleichende Leichtigkeit des Seins gewinnt erst in der zweiten Hälfte an Fahrt. Auch „Applefish“ mag es gerne ruhig und wandelt vorsichtig von Bewusstseinsebene zu Bewusstseinsebene. Für ganz großes Kino sorgt jedoch das eröffnende Trio. „THUM“ setzt auf vergleichsweise geradlinigen, aber unverschämt eingängigen Rock mit Indie- und Pop-Schlagseite, kurz und effektiv. Das anschließende „595“ lehnt sich gerne mal weit zurück, dockt fast bei L7 an und liebt seine bekömmliche, hymnische Schwere. „Bug In The Cake“ widmet Grohl ihrer verstorbenen Großmutter und rockt einfach nach vorne. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Das geht dann wohl als faustdicke Überraschung durch: Sicherlich gibt es ab und an musikalische Momente, in denen Violet Grohl an die verschiedenen Bands des Vaters erinnert. Ordentlich Grunge-Charme hier, zügelloser Rock da, zwischendurch wütend wirbelnde Drums – das passt schon so. Und doch erarbeitet sich die 20jährige schnell eine eigene Identität, die sie durchaus in die Nähe einer PJ Harvey, einer Courtney Barnett und einer Alex Lahey stellt. „Be Sweet To Me“ lebt für bittersüße Schwere, stellt charmanten Pop neben fieberhafte Riffs und lässt eine gewisse Düsternis zu, die immer wieder in Richtung Oberfläche treibt. Der Einstand Grohls macht definitiv Bock auf mehr und lässt auf entsprechende künstlerische Weiterentwicklung hoffen. Das entsprechende Rüstzeug ist definitiv vorhanden.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Auroura Records / Republic Records (Universal Music)

Website: www.violetgrohl.com
Facebook: www.facebook.com/people/Violet-Grohl/61582003366088