Olafur Mowa – Post Internet Era

Ist das Internet tatsächlich tot? Seit geraumer Zeit grassieren Theorien, dass weite Teile des Web und der Diskussionen in sozialen Medien und Kommentarspalten von Bots geführt werden, von Unmengen an Werbung (YouTube ohne entsprechende Block-Technologie ist … eine Erfahrung) und künstlicher Intelligenz ganz zu schweigen. Olafur Mowa befasst sich auf seinem ersten Soloalbum mit der Zeit danach. Neben GiGi Blow hatte er Bock, auch mal den einen oder anderen Track ohne Partybezug zu schreiben, über Coming of Age jenseits der Teenagerzeit. Musikalisch zwischen unzähligen Genres und Epochen angesiedelt, kultiviert „Post Internet Era“ den Charme des Seins im digitalen Zeitalter.
Ist Zeit für ein „Selfie At The Beach“? Schrammelnde Gitarren und ein Hauch King Krule liegen in der Luft, wenn Mowa über Sehnsüchte philosophiert und nach seiner inneren Mitte sucht. Traditionelle Songstrukturen finden hier keinen Platz, der konstante Fluss inmitten zurückhaltender Melancholie ist Trumpf. Dann wirft „Talk Shit Get High“ mit Donkey Kid, der das Album co-produzierte, den Motor an, packt immer wieder überbordende Beat-Lawinen aus, sucht nach non-existenter Idylle und geht schließlich direkt in die grüblerisch-scharfkantige Erkenntnis „Tomorrow Isn’t Guaranteed“ über. Das klingt stellenweise grantig, bevor der Aufbruch schönere Tage andeutet.
„Mazzy Star“ hat – zumindest musikalisch – nichts mit den Alternative-Legenden zu tun, wird dafür mit hyperaktiver Zurückhaltung dargeboten. Das ergibt eigentlich keinen Sinn, zumindest auf dem Papier, glänzt dafür mit knackiger Elektronik und wilden rhythmischen Ideen. In „Hide My Face“ glänzt unter anderem Jamie T als mögliche Referenz (nicht zum einzigen Mal auf dieser Platte), hibbelig und zugleich geerdet, auf beste Weise eigentümlich unterwegs. Die „Kids Without Fear“ nehmen sogar noch eine Portion mehr Treays-Weirdness mit und schlendern durch einen Sturm widersprüchlicher Eindrücke. Dort gibt sich „Heaven Is A Hotel Room With You“ auf energische Weise minimalistisch.
Durchatmen, Gedanken sortieren, freuen: Olafur Mowa hat weder Zeit für noch Lust auf Schubladen und macht das mit seinem stylischen Einstand mehr als deutlich. Durchgehend charmanter Fluss und bewusst eingesetzte, wohldosierte Sollbruchstellen treiben diese auf kauzige Weise sympathische Platte an, kreativ sehr englisch und selbst in extrovertierten Momenten von einer gewissen Intimität geprägt. „Post Internet Era“ koppelt sich ab und geht in die Welt hinaus, zumindest so weit das tatsächlich möglich ist. Packende lebendige Geschichten, fortschreitendes Erwachsenwerden in den Zwanzigern und die Suche nach dem Gemeinsamen werden zum bunten Motor für ein vielschichtiges Album, das sich mit Herz und Hirn direkt in die Untiefen der wohlwollenden Seele vorarbeitet.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: Staatsakt (Bertus)
Instagram: www.instagram.com/olafur.mowa___
