Personal Trainer – Human Assholes

Kein Song ist jemals gänzlich fertig geschrieben – eine Erkenntnis zu der Willem Smit während drei Non-Stop-Tour-Jahren gelangte. Mit Personal Trainer ist der konstante Wandel Pflicht, nicht nur beim Line-up, sondern auch bei der Interpretation der eigenen Musik. Ob daher bei diesem mittlerweile dritten Studioalbum tatsächlich von einer fertigen Platte gesprochen werden kann, sei dahingestellt – für jemanden, der sich gerne in Details und Nuancen verliert, eine knifflige Angelegenheit. Bewusst wurde hingegen die Akustik-Gitarre als Startpunkt für viele neue Songs gewählt, ebenso die Arbeit mit der gesamten Band in einem Raum fokussiert. „Human Assholes“ klingt somit größer, verspielter und gemeinschaftlicher denn je.
Das obsessive und zugleich wunderschöne „Punch Drunk Love“ wurde nicht umsonst zur Lead-Single auserkoren. Fast folkig erfolgt der Auftakt, in stetem Fluss dargeboten, bevor Smits angenehme Stimme für Herzenswärme und Augenzwinkern sorgt – kraftvoll und leichtfüßig zugleich. Die imaginäre Brücke zwischen Indie und Americana macht Laune. Hingegen ist der Titelsong eine knapp sechsminütige Tour de Force der verplanten Art, die entfernt an die Eigentümlichkeit des Einstands von Black Country, New Road erinnert – etwas verwaschen, jenseitig angehaucht, sich wiederholt häutend und mit einem Hauch Kammermusik in den Schlussminuten versehen, der den Folk-Twang intensiviert.
Es geht aber auch ganz anders, beispielsweise im eindringlichen „Tyres Skid“. Der Bass drängt in Richtung Indie-Disco, bringt eine Prise Post Punk mit, ringt zugleich mit greifbarer emotionaler Schwere. Die zurückgelehnte Dringlichkeit von „The Burrows“ setzt auf nahezu konstanten Wachstum und bringt für Band-Verhältnisse fast so etwas wie Bombast ein, ein wenig over the top und dabei stets angenehm beherzt vorgetragen. Auch „Object Permanence“ trägt ordentlich Kraft in sich, wenngleich es ein wenig braucht, bis man davon tatsächlich Notiz nimmt. Der laute, kratzige Quasi-Chorus überrollt wieder und wieder, von wohliger Wonne ummantelt.
Die Menge an Material erschlägt erst einmal, diese knapp 50 Minuten Eigentümlichkeit. William Smit spielt ein wenig mit Songwriting-Konventionen und profitiert letztlich von der Akustik-Gitarre als eine Art Leitfaden. Sie bringt etwas Ordnung ins Chaos, wie ein Leuchtturm im Nebel des Ideenmeers, und hält „Human Assholes“ zusammen. Das insgesamt folkigere Auftreten bekommt Personal Trainer ebenfalls gut, ignoriert keinesfalls die Entwicklungen der bisherigen Platten und wirkt noch einen Tacken frischer, energischer, intensiver. Selbst in filigranen Exkursen bleibt eine gewisse Dringlichkeit auf angenehme Weise greifbar. Personal Trainer nehmen an der Hand und führen ins Ungewisse – und liebend gerne ist man mittendrin.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 04.09.2026
Erhältlich über: Bella Union (Bertus)
Website: personaltrainertheband.com
Facebook: www.facebook.com/personaltrainermusic
