Bodega – All Inside Aquarium

Kein Platz für Post Punk: Wiewohl dieser Ausdruck ursprünglich zu Bodega passte, distanziert sich das New Yorker Quintett nun explizit von diesem Begriff. Geht es nach Sänger und Gitarrist Ben Hozie, hat man sich inzwischen weiter denn je davon entfernt. Entwickelte sich bereits der Vorgänger „Our Brand Could Be Yr Life“, seines Zeichens eine Neuaufnahme einer Prä-Bodega-Platte, musikalisch in eine deutlich rockigere Richtung, so wird nun die bewusste Zuwendung zu melodischeren Songs gefeiert, die vielfältig, abwechslungsreich und kantiger ausfallen dürfen. „All Inside Aquarium“ breitet seine Schwingen gar lässig aus.
Der herrlich legere, schrammelnde Titelsong eröffnet den Reigen mit ordentlich Spät-80er- und Früh-90s-Charme – eine prominente Entwicklung der letzten Jahre, die auch an Bodega keinesfalls vorbeiging. Ein paar Smiths-Gitarren hier, ein wenig College-Rock-Harmonien da, begleitet von der obligatorischen Indie- und Alternative-Ursuppe, bevor eine mächtige Gitarrenwand aufgezogen wird – fertig ist der kleine, mehr als feine Ohrwurm. In eine ähnliche, noch fieberhaftere Kerbe schlägt „Slow Train“, ein etwas überraschendes Cover. Von Bob Dylan hört man allerdings nicht mehr übermäßig viel, denn das US-Quintett schneidert daraus eine drückende Hymne zwischen Stadion-Soli und Britpop-Augenzwinkern.
Komplett schwört man kunstvollen post-punkigen Verrenkungen aber keinesfalls ab – siehe und höre das arty „Pile Driver“, das man sich durchaus von Viagra Boys vorstellen könnte, so grantig und kauzig wie menschenmöglich, aber doch sympathisch. Auch „Weather Me“ trägt noch Überreste in sich, weicht seine unterschwellige Hektik aber immer wieder durch bekömmlichen Gitarrenpop auf. Ähnlich groß ist „Astro Night Ride“, das stellenweise wie eine Oasis-Hymne klingt, zwischendurch in Richtung The Strokes geht und sogar etwas Indie Pop mitbringt. Das zarte Understatement eines „Backbeaten“ ist ebenfalls großes Kino, schleicht sich gemächlich an und entfaltet aus dem gefühlten Nichts einen Melodieteppich nach dem anderen.
Bodega drehen die Zeit mal eben ein paar Jahrzehnte zurück und klingen dabei doch mehr denn je im Hier und Jetzt angesiedelt. Was sich wie ein Widerspruch liest, macht absolut Sinn, denn das Spiel mit melodischen Leckerbissen und knackigen Hymnen steht den New Yorkern prima zu Gesicht. „All Inside Aquarium“ treibt die musikalische Evolution an, wendet sich aber keinesfalls von den Wurzeln ab. Es bleibt stellenweise arty, etwas punkig, bloß so breit aufgestellt wie nie. Durch die Bank starke Songs, mächtige Melodien, giftige Gitarren und feine Widerhäkchen machen von der ersten bis zur letzen Sekunde Laune. Bodega laden eine Dreiviertelstunde lang ein, die Welt zu vergessen. Da macht man gerne mit.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 09.10.2026
Erhältlich über: Chrysalis Records (Bertus)
Website: www.bodega-band.com
Facebook: www.facebook.com/BODEGABK
