The Horn – Catalyst

The Horn
(c) Evan Dos Santos

Charmanter Britpop mit Herz, Seele und zeitloser Nostalgie begleitet den Sound von The Horn. Die schwer suchbare Band aus London zählt unter anderem Bassist Nick True zu seinem Line-up, der mit den vor einigen Jahren reformierten Friends Of Gavin in den 80ern mit R.E.M. und The Smiths tourte. Seit dem 2023 erschienenen Einstand „People Like Us“ touren The Horn fleißig, heimsten über 5 Millionen Streams und BBC-Radio-Airplay ein. Der Nachfolger entstand teilweise in den legendären Abbey Road Studios und entwickelt den stilvollen, poppigen Indie-Sound weiter. „Catalyst“ fällt noch eine Spur ruhiger und feinfühliger als der Vorgänger aus.

Gleich zu Beginn findet sich das Quintett „Back On The Path“ und agiert mit stilvoller Smoothness, die in ihrer Klangarchitektur die Brücke zwischen The Divine Comedy und Elbow schlägt, dabei aber felsenfest auf eigenen Beinen steht. Dafür sorgt beispielsweise der butterweiche Gesang, der wie Butter aus den Boxen schmilzt, während die Rhythmusabteilung ab und an relaxte Hard-Fi beschwört. Der tanzbare Unterbau macht Laune und wird doch lässig in stilvollen Indie Pop eingebettet. „Guess What You Want“ erhöht die Schlagzahl im Anschluss erst ein wenig, bevor The Horn durch ein Meer an Melodien waten und erstaunlich forsches Drumming neben einzelne Strings stellen. Das macht Laune.

Deutlich ruhiger geht es hingegen in „Who Are You“ vor sich, nur den Wimpernschlag einer Libelle von Country-Pop entfernt und doch komplett anderswo angesiedelt. Das folgende „That’s The Way Life Is“ lässt Spät-90er-Indie-Gitarren singen und jubilieren, legen einen Melodieteppich auf den nächsten und zaubert ein Lächeln auf die Lippen. Das gelingt auch dem zurückgelehnten „Beautiful Lie“, dessen prominenter Basslauf zwar Unmengen Drive andeutet, letztlich aber ’nur‘ ein starkes Fundament für sehnsüchtige Hoffnung bietet, deren Erwiderung nur bedingt geklärt wird. Ob das „Too Much Information“ sei, mögen andere entscheiden, doch brennt sich das gleichnamige Finale samt Vega4-Einschlag sofort ein.

Im Grunde weist dieses zweite Album von The Horn keine wirklichen Standouts auf, denn der Star ist letztlich die Mannschaft bzw. die Platte selbst, die durch den stylischen Gesamteindruck punktet. Binnen Sekunden rollt das Londoner Quintett den roten Melodieteppich aus und betreibt Wellness für die Gehörgänge. „Catalyst“ klingt wie eine Indie- und Britpop-Zeitreise von den späten 80ern bis zu den frühen 2000ern, bleibt dabei aber auf angenehme Weise zeitlos und eigenständig. Treffsicheres Bauchgefühl trifft auf geschmackvolle Detailarbeit und durch die Bank richtig gute Songs. The Horn machen Musik für Herz und Seele – ein richtig starker Zweitling.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 30.10.2026
Erhältlich über: Little Big Horn Music

Website: thehorn.band
Instagram: www.instagram.com/thehornband