Hard-Fi – Sweating Someone Else’s Fever

Hard-Fi
(c) Fraser Thorne

2005 tauchten Hard-Fi auf und dominierten zumindest eine Saison lang den Indie-Zeitgeist. „Hard To Beat“ ist und bleibt ein unkaputtbarer Sommerhit, das erste Album „Stars Of CCTV“ erreichte Platz 1 in Großbritannien und hierzulande die Top 20. Ihre Unbeschwertheit ging auf den nach wie vor guten beiden Folgeplatten verloren, nach einem Best-of-Album 2014 tauchte man erst einmal unter. Comeback-Gigs 2022 und 2023 entfachten das sprichwörtliche Feuer erneut, mit „Sweating Someone Else’s Fever“ gibt es nun tatsächlich ein erstes neues Studiowerk seit stolzen 15 Jahren. Und das mit einer Rückkehr zu alten, bewährten Qualitäten.

Dazu zählt eine rasiermesserscharfe Beobachtungsgabe von gesellschaftlichen und strukturellen Zuständen. Im Falle des Openers „They Ain’t Your Friends“ geht es um die Musikindustrie und die Online-Welt, bei der es längst nicht mehr um Qualität geht, von Menschlichkeit ganz zu schweigen. Freu(n)de muss man sich anderswo suchen. Der hibbelige, nervöse und tanzbare Song geht sofort ins Ohr, speziell der wunderbar kantige und unbequeme Chorus. Dass im direkten Anschluss mit „Digo Nada“ ein Ausflug in Cumbia-Gefilde folgt, passt ins Bild. Frontmann Richard Archer liebt den Sound, Bajo Del Sol und Mike Kalle sorgt für die nötige Gorillaz-Würze.

Gewisse Stilbrüche gehört auf dieser Platte – und bei Hard-Fi an sich – einfach dazu. So lehnt sich „Always And Forever“ möglichst weit zurück, spielt mit Nachdenklichkeit und Selbstzweifel, während ein nicht von der Hand zu weisendes 80s-Flair das Tempo anzieht. Auch „You Rule My Heart (When The Summer’s Gone)“ bewegt sich in melancholischen Gefilden, wirkt erstaunlich funky und lehnt sich ganz weit zurück. Dort wartet bereits „Ain’t Going Out Tonight“, einer von zwei Tracks mit Krysten Cummings, den Archer ursprünglich vor 25 Jahren für seine alte Band Contempo schrieb. Ein paar Sounds erinnern an „Cash Machine“, während die treibende Bassline ihre monströsen Schwingen ausbreitet. „Looking For Fun“ ist der sommerliche, hektische Rocker zum Drüberstreuen.

„Sweating Someone Else’s Fever“ ist eine faustdicke Überraschung geworden. Hard-Fi fangen über weite Strecken tatsächlich den unbeschwerten und doch pointierten Geist ihrer Anfangstage ein, bleiben aber zu keiner Zeit in alten, überholten Mustern hängen. Die elf Tracks schlagen eine knifflige Brücke zwischen Nostalgie und Zeitgeist, stellen sich musikalisch deutlich breiter auf und hauen den einen oder anderen Hit raus. Manche Hooks sind Dienst am Fan, wie eben „Looking For Fun“, doch gerade die Cumbia-Experimente und etwas düsteren, melancholischen Exkurse schaffen großartige Kontraste, an denen man sich kaum satt hören kann. Hard-Fi legen ohne Frage ein echtes Comeback nach Maß hin.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 19.06.2026
Erhältlich über: V2 Records (Bertus)

Website: www.hardfiofficial.com
Facebook: www.facebook.com/hardfi