Tony Iommi – From The Dark

Tony Iommi
(c) Ross Halfin

Selbst mit stolzen 78 Jahren bleibt die kreative Energie von Tony Iommi ungebrochen. Die einzige Konstante bei Black Sabbath, die nach dem Ableben von Ozzy Osbourne nun endgültig ad acta gelegt wurden, widmet sich wieder seiner Solokarriere – je nach Sichtweise erstmals seit 21 bzw. 26 Jahren. Seine Studio-Band besteht aus Karl Brazil, u.a. Session- und Live-Drummer für James Blunt und Robbie Williams, Fury-Bassistin Becky Baldwin und dem umtriebigen Jørn Lande, der einst an Iommis Seite einen Heaven & Hell-Tribute-Gig spielte und sogar ein komplettes Dio-Tribute-Album aufnahm. Entsprechend kann man sich in etwa ausmalen, in welche Richtung „From The Dark“ geht.

Monumentale Heavy Hitter mit leicht doomigem Touch bilden das Rückgrat dieser Platte, siehe und höre unter anderem „Black Times“. Sechs wunderbar zähe Minuten, finsteres Riffing und Landes kraftvoller Gesang stehen auf dem Fundament einer mächtigen Rhythmusabteilung, die in der zweiten Hälfte das Tempo ein wenig anzieht und Iommi die Möglichkeit gewährt, sich in einem von vielen Soli regelrecht zu verlieren. Auch das intensive „Stormwatcher“, das mit seiner Dramaturgie mehr denn je an die Dio-Ära erinnert, nimmt druckvolle, hymnische und schwerfällige Dimensionen an, bevor das nächste mächtige Solo einsetzt.

Gelegentliche kürzere, knackige Tracks ziehen das Tempo an, bemühen mehr Heavyness und brennen sich ebenso ein – wie „Return Of The Arbalist“, das sich in komplexen Fanfaren und wütendem Druck ergeht, oder „World Alone“, das kurz und knackig einfach alles niederreißt – schnörkellos und sympathisch. In „Death Wake“ taucht kein Geringerer als Queen-Gitarrist Brian May, jahrzehntelanger Freund Iommis, für ein kleines Solo auf und wertet damit die einzige kleinere Schwachstelle dieses Albums auf – ein netter, wenngleich ansonsten etwas farbloser Track. Das siebenminütige Finale „Legacy“ fasst dafür nochmals alles zusammen, was den Miterfinder des Metal-Riffs auszeichnet, und bastelt ein weiteres, doomig angehauchtes Epos.

Gut 40 Minuten Tony Iommi in Reinkultur servieren beste schwermetallische Unterhaltung der zeitlosen Art. Alles, was dieser Soloplatte fehlt, ist ein absoluter Standout-Track – ein zweites „Neon Knights“ oder „Heaven & Hell“ vielleicht. Doch auch ohne einen solchen Überflieger überzeugt „From The Dark“ (fast) durchgehend. Iommis Riffs und Soli leben und atmen weiterhin den den Geist der schwermetallischen Ursuppe, die Rhythmusabteilung ist mehr als nur grundsolide, zudem glückte die Sängerwahl mit Jørn Lande hörbar. Acht Songs lang setzt es Sabbath-Esprit, überwiegend von der Dio-Ära geprägt, mit monumentaler Heavyness und gelegentlichen Wellenbrechern. Das mag vielleicht nicht revolutionär sein, macht aber von der ersten bis zur letzten Sekunde unheimlich viel Laune. Auf seinem womöglich finalen Album unterstreicht Iommi erneut, warum er zu den Godfathers of Metal zählt.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 23.10.2026
Erhältlich über: Bluefame / BMG Rights Management (Universal Music)

Website: www.iommi.com
Facebook: www.facebook.com/tonyiomm