Kategorie: Reviews & Previews

Papir

Papir – 7

Auf ihren bisherigen Alben loteten Papir die Grenzen von Kraut, Psych und Prog aus. Ihre rein instrumentale Kunst, gerne mit etwas Jazz versehen, verzichtet allerdings auf ausladende technische Wirbelstürme und bemüht sich stattdessen um den Fluss der Dinge. Diesen stellen die Dänen nun erst recht in den Mittelpunkt, denn „7“ – erstmals keine römische Ziffer – packt sämtliche Pedale weg und sucht stattdessen nach der gemächlichen Eitelkeit der Dinge. In anderen Worten: Betörender, tiefenentspannter Ambient-Sound hält Einzug.

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Blow

Blow – Shake The Disease

Digital ist nicht immer zwingend besser. Das erkannten auch Blow nach dem Release ihres ersten Albums „Vertigo“. Der Electro-Pop des Pariser Trios kam 2018 gut an, doch bereits kurze Zeit später stellte sich das Gefühl ein, man würde sich wiederholen. Geänderte Aufnahmemethoden führten zu analoger Instrumentierung, das Studio wurde gewechselt, selbst Gedanken über einen anderen Bandnamen kamen auf. Letztlich wurde wenige Tage vor dem Release bekannt, dass Blow sich auflösen würden. Das Vermächtnis „Shake The Disease“ bewegt sich zwischen musikalischer Nostalgie und lyrischer Dualität von Sein versus Schein.

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Sun Cutter

Sun Cutter – Sun Cutter

Vor drei Jahren erlitt Kevin Pearce einen Herzinfarkt auf einem Golfplatz. Damals war er gerade einmal 33 Jahre alt. Als Teil seines Reha-Prozesses, der unter anderem Lifestyle-Änderungen mit sich brachte, widmete er sich einem eigenen musikalischen Projekt. Als Sun Cutter konzentriert er sich auf einen Mix aus Indie, Soul, Rock und Folk, begleitet von empathischen und liebevollen Texten mit einer feinen Spur Protest. Das erste Album heißt ebenfalls „Sun Cutter“ und beginnt das neue Jahr mit so etwas wie greifbarer Lebenslust.

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Manic Youth

Manic Youth – Funland

Der intensive Blick auf das eigene Schuhwerk legt Faszinierendes frei. Das wissen Manic Youth aus Wien nur zu gut. Zwei Jahre nach ihrem Debütalbum „Frail“ fanden sie sich auf Platte wieder. Paranoia und neue Ängste begleiteten die Arbeiten am Zweitling, hielt man sich doch im Lockdown gelegentlich illegal im Proberaum auf. Die positive Aufregung des Songwritings kollidierte mit der Gefahrensituation. Genau dieser Spagat findet auf „Funland“ zueinander. Die Auseinandersetzung mit eigenen Fehlern, das Ende der Wut und das Loslassen beflügelte das Quartett zu neuen 90s-Höhenflügen.

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Idles

Idles – Crawler

Wer austeilt, muss auch einstecken können. Bloß möchte Joe Talbot nicht mehr zum Rundumschlag ausholen, auch wenn er das selbst zuletzt nur selten tat. Dennoch schlagen Idles zumindest textlich andere Töne an. Die wohl wichtigste Post-Punk-Band der letzten Jahre richtet den Blick nach innen, legt einen Seelenstriptease hin und häutet sich bei dieser Gelegenheit auch musikalisch ein wenig, ohne dabei eine komplette Abkehr zu erzwingen. Das Ergebnis nennt sich „Crawler“, mischt die Karten neu und betont dennoch gekonnt, was die Briten auf ihren bisherigen Alben so stark machte.

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Beans On Toast

Beans On Toast – Survival Of The Friendliest

Das jährliche Geburtstagsalbum von Jay McAllister ist immer wieder in Grund zur Freude. 2020, zum 40er, feierte er gleich doppelt mit einer nostalgischen Bandplatte und einer Pandemie-Folkplatte. Nun geht es darum, den Käse hinter sich zu lassen und etwas Hoffnung, etwas Frohsinn, sogar etwas Euphorie anzustimmen. „Survival Of The Friendliest“ widmet sich den schönen Dingen im Leben, zelebriert die Kleinigkeiten, die warmherzigen Momente, die Aussicht auf bessere Zeiten. Ob es dafür zu früh ist oder nicht: Eine Portion Optimismus legt sich momentan wie Balsam auf geschundene Seelen.

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Robert Plant & Alison Krauss

Robert Plant & Alison Krauss – Raise The Roof

Seit dem Ende von Led Zeppelin hängt der Schatten der Rock-Legenden über dem Werk von Robert Plant. Nur selten schafft es der Sänger, dem monumentalen Erbe vollends zu entkommen (wiewohl die vermeintlichen Erblast-Alben häufig exzellent ausfallen). „Raising Sand“ war einer dieser Erfolge. Gemeinsam mit Country- und Bluegrass-Sängerin Alison Krauss entstand die Zusammenkunft zweier Welten im weiten Americana-Feld, schon jetzt ein moderner Klassiker. 14 Jahre später wagen sie es wieder und covern sich mit wachsender Begeisterung durch die Szeniere. „Raise The Roof“ fängt den vertrauten Esprit gekonnt ein.

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Jónsi

Jónsi – Obsidian

Nach seinen zuletzt eher poppigen Soloalben versucht Jónsi einen neuen Ansatz. Das Sigur-Rós-Mitglied präsentiert ein Überraschungsalbum zu seiner aktuellen Kunstinstallation. Hooks und Beats sind hier überwiegend fehl am Platz, aber was heißt das für die neue Platte? „Obsidian“ bemüht Klänge, die man eher der Hauptband zuordnen würde, die mit dieser aber eigentlich auch nur rudimentär etwas am Hut haben. Ausladende Flächen, viel Ambient und Reduktion, dazu ein paar elektronische bis technoide Exkurse wagen sich zu neuen Ufern vor.

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Geese

Geese – Projector

New York will den Post-Punk-Thron zurück, auf dem sich einst Interpol in Schale warfen. Eine blutjunge Band soll es richten, die überaus gehypten Geese. Die fünf Noch-Teenager genießen bereits einiges an Hype, und der ist mehr als nur verdient. Sie brauchten nur eine Handvoll Songs, um von allerlei Labels unworben zu werden. Gelandet sind sie beim britischen Edel-Indie Partisan Records, wo unter anderem Idles und Fontaines D.C. loslegten. „Projector“ zeigt eine Band, die gut 40 Minuten lang ihre Identität sucht und daran große Begeisterung findet.

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KAAK

KAAK – Schrei doch

Die häppchenweise Veröffentlichung von Vorboten im Vorfeld eines Albums gehört längst zum guten Ton. KAAK wollten es trotzdem etwas anders machen und koppelten Song um Song über ein ganzes Jahr hinweg aus – zwölf Tracks, zwölf Monate vom Herbst 2019 bis Herbst 2020. All das geschah in Eigenregie, gekrönt von einem in Eigenregie organisierten Festival im Sommer 2021. Nun gibt es das gesamte Material endlich gesammelt auf CD und streng limitierter LP. Unter dem Titel „Schrei doch“ arbeitet sich das Quartett um Sänger Leon Kaack an Wut, Biss und Zynismus durch Selbstinszenierung und Selbstkasteiung ab.

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