Schlagwort: Indie Rock

van Kraut

van Kraut – Atmen

Das Private und das Politische werden weiterhin möglichst eng verschränkt – eine Entwicklung, die aktuell viele Musiker:innen aus gesellschaftlichen und geopolitischen Gründen fast notgedrungen vorantreiben. Christoph Kohlhöfer ist da keine Ausnahme, bloß hat das bei ihm Methode. Als van Kraut setzt er seit über einem Jahrzehnt seine rasiermesserscharfte Beobachtungsgabe ein und beglückt mit doppelten Böden der unvermittelt zupackenden Art. „Atmen“ ist – je nach Zählweise – das dritte oder vierte Album der Ein-Mann-Band und verbindet angenehm Vertrautes mit Magie auf den zweiten bis dritten Blick.

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Hawel/McPhail

Hawel/McPhail – Sorrow Wonderland

Alles kommt anders und doch so gut – die letzten Jahre brachten für Frehn Hawel (Tigerbeat) und Rick McPhail (Mint Mind, Tocotronic) einige Veränderungen mit sich. Die Musik rückte erst einmal in den Hintergrund, weswegen McPhail bei Tocotronic aktuell eine Pause auf unbestimmte Zeit aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen einlegen muss. Entsprechend richtig und wichtig war es, einfach mal wieder die Fuzz-Pedale anzuwerfen und einfach zu machen. Zwölf Songs sind es geworden, die sich mit dem Hier und Jetzt, mit dem Älterwerden und mit Beziehungen, aber auch mit dem Zeitgeschehen und der Leistungsgesellschaft auseinandersetzen. Im „Sorrow Wonderland“ geht es aber stets gefällig vor sich.

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Courtney Barnett

Courtney Barnett – Creature Of Habit

Nomen trifft Omen: „Things Take Time, Take Time“ hätte kaum besser als Titel für das bis jetzt letzte Album von Courtney Barnett gewählt werden können. Das ist mittlerweile fast viereinhalb Jahre her, in denen es für die Australierin allerdings nicht umbedingt ruhig gewesen war. Unter anderem sperrte sie ihr eigenes Label Milk! Records zu (zum Abschluss erschien noch ein rein instrumentaler Doku-Soundtrack) und zog nach Los Angeles. Diese Veränderungen spielen selbstverständlich auch auf ihrem inzwischen vierten regulären Soloalbum eine nicht zu verachtende Rolle. „Creature Of Habit“ handelt davon, sich selbst nicht mehr im Weg zu stehen, um das eigene Leben auch tatsächlich leben und mit allen Sinnen erfassen zu können.

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The Twilight Sad

The Twilight Sad – It’s The Long Goodbye

Das erste Album seit über sieben Jahren und eine Band, die auf das Kern-Songwriting-Duo – Sänger James Alexander Graham und Gitarrist Andy MacFarlane – geschrumpft ist: Der Hintergrund für die lange Wartezeit und Veränderungen bei The Twilight Sad sind tragischer Natur. Als die Schotten 2016 von einer Support-Tour für The Cure hingekehrt waren, wurde Grahams Mutter mit früh einsetzender frontotemporaler Demenz diagnostiziert, die fortan das Band- und Privatleben mehr als entscheidend mitbestimmte. Eine weitere Tour mit The Cure sieben Jahre später wurde abgebrochen, wenig später verstarb Grahams Mutter. Der Großteil von „It’s The Long Goodbye“ entstand während dieser Zeit.

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Hi Mum

Hi Mum – Ghostwood

Vorneweg: Ja, das liest sich wie ein reiner Sängerwechsel und ein damit einhergehender neuer Bandname. Ist aber wesentlich mehr. So viel mehr. Aber der Reihe nach: Im September 2023 legten sich Maffai erst einmal auf Eis, doch blieb man sich freundlich verbunden. Ob und wann es ein Comeback geben wird, bleibt offen. Gitarrist Simon Züchner, Bassist Daniel Schmitt und Schlagzeuger Jan Kretschmer machen aber gemeinsam weiter in einem neuen Projekt. Den Gesang bei Hi Mum übernimmt Lilly Jane Kletke, musikalisch bewegt man sich eher in Indie-, Alternative- und Shoegaze-Gefilden mit einer gewissen 90s-Ästhetik. „Ghostwood“ ist ihr erstes Album.

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fluppe

fluppe – beest

Was bloß tun mit dem Gesang? Das fragen sich fluppe, als sie an ihrem dritten Album arbeiteten, und nachdem ihre bisherige Stimme Josef Endicott ausgestiegen war. Produzent Tobias Siebert (u. a. Klez.e) empfahl als Inspiration die Hamburger Musikerkneipe Mutter. Gefunden wurde mit Oscar Pursch der Barkeeper des Lokals, der auf den zehn neuen Songs eine richtig gute Figur abgibt. „Beest“ hält ansonsten aber herzlich wenig davon, einfach alles umzuwerfen. Das Quartett um Christian Klindworth, Antoine Laval und Lars Brunkhorst bleibt seinem Sound zwischen Post Punk, Wave und Indie Rock treu und sucht wieder und wieder nach dieser feinen Prise Hoffnung, wenn die Krise gerade doppelt heftig zuschlägt.

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The Sophs

The Sophs – GOLDSTAR

Sechs junge Menschen aus Los Angeles und ein Demotape – so oder so ähnlich begann es einst für The Sophs, die ihre ersten Songs direkt an diverse Lieblingslabels schickten. Bereits am nächsten Tag bekamen sie Antwort von Rough Trade Records, der Rest ist sympathische Geschichte. Seit letztem Sommer erscheinen bereits ein paar Songs hier und da, nun steht das vielschichtige erste Album in den Startlöchern. „GOLDSTAR“ sehnt sich nach Anerkennung und fragt sich zugleich, ob man denn das Richtige tatsächlich aus den richtigen Gründen tut.

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War Child Records

War Child Records – HELP(2)

1995 taten sich Größen der britischen Musikszene für einen Benefizsampler zusammen, um mit „The Help Album“ der gemeinnützigen Organisation War Child und somit Kindern in Kriegsgebieten zu helfen. Seither erschienen mehrere Compilations, die globale Lage wurde jedoch kaum besser. Heute lebt fast jedes fünfte Kind in einem Kriegsgebiet; Schutz und schnelle Nothilfe sowie psychosoziale Unterstützung sind wichtiger denn je. „HELP(2)“ ist die leider dringende, notwendige Fortsetzung, appelliert an Solidarität und trommelte dafür einmal mehr große musikalische Prominenz zusammen, die neues Material und exklusive Cover-Versionen beisteuert.

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Hater

Hater – Mosquito

Plötzlich hielten Hater einen Strauß Liebeslieder in der Hand. Warum gleich so viele davon entstanden waren, können sich die Schweden im Nachhinein nicht erklären. Und doch geht es Sängerin Caroline Landahl darum, dass nichts an ihrer neuen Platte, am Nachfolger von „Sincere“, soft und kuschelig ist. Denn, ja, Schmetterlinge im Bauch gibt es durchaus, aber eben auch gebrochene Herzen, komplette Leere, ein stetes emotionales Auf und Ab. All das kleidet das Quartett aus Malmö in den nunmehr vertrauten Mix aus Indie Pop, Indie Rock und Shoegaze. „Mosquito“ sucht nach der wahren Liebe, oft traurig und sehnsüchtig, und kleidet dies in durchaus mythische Geschichten.

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shatten

shatten – Gegenwart

Es herrscht Aufbruchsstimmung, weil es nicht anders geht, wenn alles den Bach hinuntergeht. shatten haben die Zeichen der Zeit erkannt und brechen ihren Sound auf. Das Quartett aus Hamburg ringt mit einer Welt der verhärteten Fronten und eskalierenden Konflikte und antworten darauf mit nahezu verspielten Klängen – etwas melodischer, getragener und selbst inmitten aller gebotener Fröhlichkeit gerne mal düsterer. „Gegenwart“ verschiebt Perspektiven, ringt mit der Introspektive und sucht nach Wegen, um das Hier und Jetzt ein wenig schöner zu machen. Auch wenn dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt sein mag.

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