Jalen Ngonda – Doctrine Of Love

Jalen Ngonda
(c) Daptone Records

Wenige haben ein derart ausgeprägtes und scheinbar angeborenes Grundverständnis für Soul und RnB wie Jalen Ngonda. Früh kam der US-Amerikaner nach Liverpool, um am Institute for Performing Arts zu studieren, konzentrierte sich aber vor allem auf seine eigene Musik. Daptone wurde zu seinem Zuhause, das erste Album „Come Around And Love Me“ unterstrich Ngondas Liebe für Motown und Doowop, zeitlos und doch zeitgemäß. Seither tourte er fleißig – seine Glastonbury-Auftritte sind mittlerweile legendär – und veröffentlichte diverse Singles. „Doctrine Of Love“ zerstört den Mythos des schweren zweiten Albums mit ausgesuchter Leichtigkeit.

‚Liebe ist der höchste Maßstab für den Wert eines Menschen‘, erklärt Ngonda und macht die Lehre der Liebe zur Maxime dieses Zweitlings. Der Titelsong an – natürlich – zweiter Stelle – bringt das auf gekonnte Weise auf den Punkt. Der Gesang klingt rau und kraftvoll, sanft und glockenhell zu gleichen Teilen – ein Kunststück, von legerem Soul und dezenten Motown-Referenzen perfekt unterstrichen. Speziell die Call-and-Response-Parts lassen nicht mehr los. Während man nach der Antwort auf „Hannah, What’s The Matter?“ sucht, verzaubert und begeistert der gleichnamige Song. Ein Blick auf die Rhythmusabteilung offenbart Eindrucksvolles, lässt Drumrolls wirbeln und gibt Ngonda den nötigen Freiraum für sein Klagen.

„Love Is Gone“ ist der gefühlvolle Höhepunkt dieser Platte, lebt von unwirklicher Reduktion und erstaunlicher Schwere. Der schlichte, pulsierende Basslauf lässt nicht los, zarter Gesang ummantelt die feinsinnige Ballade. Hingegen fällt „Hang It On The Shelf“ perkussiv aus, treibend und energisch. Die Stimme wird etwas rauer, die Backings unterstützen und tänzeln gekonnt drumherum. Mit jeder Sekunde wird der viel zu kurze Track massiver, behält sich dennoch eine gewisse Intimität. Das gelingt auch dem bluesig angehauchten „Mr. Train Conductor“ mit psychedelisch angehauchten Untertönen, unwirklich und doch voller Herz. Die RnB-Blaupause „Taken Out Of The Picture“ rundet gekonnt ab.

Zehn Songs, etwas über eine halbe Stunde Musik, kein Gramm Fett zu viel: „Doctrine Of Love“ bestätigt nicht einfach nur die Klasse des Einstands, es übertrifft diese sogar. Jalen Ngonda ist ein starker Sänger und Songwriter, weiß zudem grandiose Musiker um sich, die diesen Songs die nötige Magie verleihen. Soul und RnB, Motown und Doowop bilden das musikalische Rückgrat, ergänzt durch allerlei Rock’n’Roll-Elemente, etwas Blues und sogar Psychedelia, feinsinnigen Pop und massig Gefühl. Liebe in vielen Formen und Zuständen trägt eine echte Perle von einem Album, die einen der besten Musiker und Performer der letzten Jahre ein weiteres Mal in fantastischer Form zeigt.

Wertung: 4,5/5

Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Daptone Records

Website: www.jngonda.com
Facebook: www.facebook.com/officialjalenngonda