Afenginn – Klingra

Afenginn
(c) Søren Solkær

Achtung: Der Release von „Klingra“ verschiebt sich leider auf den 11. Oktober!

Das Edel-Label Tutl bietet der lebhaften Musikszene der Färöer Inseln eine wertvolle Bühne in aller musikalischen Vielfalt. Mehr und mehr Künstler schaffen es mittlerweile aufs europäische Festland mit ihrem magischen Sound. Auch Afenginn sind alles andere als gewöhnlich. Das Quartett um Kim Rafael Nyberg kommt aus allen Ecken Skandinaviens und verbindet Folk, Indie und Anleihen klassischer Musik zu einer emotionalen und doch hochpräzise arrangierten Reise durch die Höhen und Tiefen des Seins. „Klingra“ reißt auf besondere Weise mit.

Weit offene Räume, große Gefühle und färöische Texte begleiten die neun höchst unterschiedlichen Kapitel. „Vitin“ bleibt beispielsweise dem symphonischen Charakter treu und bringt pure Melancholie mit todtraurigen Untertönen zum Ausdruck. Die minimalistische Präsentation kollidiert auf geradezu spektakuläre Weise mit dem anschließenden „Skapanin“ – etwas lauter, etwas wilder, etwas intensiver. Die Lautstärkeregler werden sukzessive nach oben gefahren, dann explodiert der Song kurz in bester Post-Rock-Manier.

Das Nachbeben „Eftirskjálvtin“ fasst das Album als Rausschmeißer prima zusammen. Vom selbstbewussten und doch gefühlsbetonten Gesang über druckvolle Drums und Percussion bis zu mehreren kleinen Eruptionen geht der Track mindestens so sehr an die Substanz wie das kurze und eindrucksvolle „Himnakropparnir“. Dieser Exkurs über Himmelskörper nähert sich konsequent dem Anschlag, nur um urplötzlich abzuebben. Aber auch die Folk-Ballade „Tøkkin“ hat ihre bewegende Daseinsberechtigung und überrascht im besten Sinne mit unerwarteten Wendungen.

Geschickt schlagen Afenginn musikalische und emotionale Haken, lassen wechselnde Stimmungen und Klangfarben auf spektakuläre Weise miteinander kollidieren und überraschen auf clevere, mitreißende und zugleich beeindruckend durchdachte Weise. Jeder Ton auf „Klingra“ macht Sinn, auch wenn die Platte zunächst wie ein Bewusstseinsstrom wirkt. Songwriting-Brillanz, märchenhafter Schwermut und gänzlich andersartige Musikwelten gehen eine mitreißende Verbindung der anderen Art ein. Hier lohnt es sich, die Scheuklappen möglichst weit zu öffnen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 11.10.2019
Erhältlich über: Tutl (Cargo Records)

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