Friko – Something Worth Waiting For

Friko
(c) Adam Powell

Tourneen sind eine wunderbare Möglichkeit für Musiker, um sich sukzessive weiterzuentwickeln, um sich einzuspielen, um zu wachsen. Letzteres haben Friko wörtlich genommen. Bestritten Sänger und Gitarrist Niko Kapetan sowie Drummer Bailey Minzenberger den Release ihres Einstands „Where We’ve Been, Where We Go From Here“ noch als Duo, fanden sie in Bassist David Fuller und Gitarrist Korgan Robb mehr als patente Live-Unterstützung, die seither fix ins Line-up integriert wurde. Dieses Mehr an kreativen Stimmen macht sich auf dem Nachfolger bemerkbar: „Something Worth Waiting For“ klingt in jeder Hinsicht lauter, eindringlicher und wuchtiger.

Der Opener „Guess“ macht es vor, mit wachsender und eskalierender Begeisterung. Das anfangs beiläufige Schrammeln entfacht nach und nach eine gewisse Sogwirkung. Kapetans zittrige Vocals haben etwas Beschwörendes an sich, man bereitet sich auf den großen Sturm vor. Nach eineinhalb Minuten wird die Gitarre lauter, erhebt sich die Stimme, baut sich wütendes Chaos auf. Und dann, als man bereits nicht mehr daran glaubt, explodiert das Pulverfass urplötzlich. Komplette Übersteuerung und noisiger Wahnsinn nehmen das Heft fest in die Hand. Dass im direkten Anschluss „Still Around“ erst einmal harmonischere und doch kratzige Indie-Töne anschlägt, passt natürlich perfekt ins Bild. Der hymnische Refrain ist ganz groß.

Und damit kratzt man bestenfalls an der Oberfläche. Die fast idyllische Ruhe von „Hot Air Balloon“ deutet wieder und wieder ein gewaltiges Crescendo an. Meditativ und nervös zugleich zu klingen, ist schon ein Kunststück, der Schlussakt hebt dafür so richtig ab. „Alice“ bricht den Sound auf filigrane, nachdenkliche Gitarrentöne herunter. Natürlich halten sich Friko nicht ewig mit Singer/Songwriter-Gefilden auf, sondern lassen das Arrangement organisch und zugleich unverschämt eingängig wachsen. Die beiden letzten Tracks haben hingegen viel gemein und könnten doch unterschiedlicher kaum sein. „Something Worth Waiting For“ beginnt ruhig und zerrissen, bevor das Ding mehrmals durch die Decke geht. Auch „Dear Bicycle“ liebt die ausgedehnte Ruhe, allerdings mit Piano-Fokus und ganz feiner dramaturgischer Klinge.

Was sich erst einmal chaotisch, überfordernd und überladen liest, bietet unheimlich viel Methode und Fingerspitzengefühl. Ja, tatsächlich lassen Friko ihre Musik liebend gerne eskalieren, geben sich schon mal der kompletten Übersteuerung hin, doch steckt überall ganz viel Herz drinnen. Immer wieder tauchen diese feinen, hymnischen Momente auf, die selbst inmitten kratziger Klänge direkt ins Ohr gehen. „Something Worth Waiting For“ braucht seine Ecken, Kanten und Sollbruchstellen, um seine magischen Momente zu finden und zu betonen. Herausgekommen ist packende, herausfordernde und doch stets sympathische Indie- und Alternative-Musik einer Band mit rosigen Zukunftsaussichten. Friko haben das Zeug zum großen Wurf, der nur eine Frage der Zeit sein dürfte.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: ATO Records

Website: whoisfriko.com
Facebook: www.facebook.com/frikochicago