Kiiōtō – Black Salt

Kiiōtō
(c) Steph Dray

Keine japanische Stadt, sondern ein ungewöhnliches wie mitreißendes musikalisches Duo: Kiiōtō ist die aktuelle kreative Heimat von Sängerin Lou Rhodes (ehem. Lamb) und Songwriter / Pianist Rohan Heath, der als Teil der Eurodance-Formation Urban Cookie Collective bereits in den frühen 90ern mit dem deutschen Top-5-Hit „The Key The Secret“ erstmals in Erscheinung trat. Gemeinsam macht man Musik, die näher an Rhodes‘ früherer Band ist, die Jazz, TripHop und Elektronik auf stilvolle Weise vermengt. „Black Salt“ ist ihr zweites Album und schickt sich an, den bereits stilvollen Vorgänger in den Schatten zu stellen.

Laut Heath brachte die Entstehung der neuen Platte einiges an Spannungen mit sich, die aus all den Konflikten letztlich etwas Neues, Großartiges entstehen ließen. Das eröffnende „Moth“ lässt gleich mal Welten kollidieren und verwandelt Chaos in Magie. Rhodes‘ exzellente, vielseitige Stimme wird erst nur von etwas Piano begleitet, bevor nach einer Minute das restliche Arrangement einsetzt. Jazziger Twang, grandioser Kontrabass und understatetes Drumming machen viel her. Das klingt nach leicht verrauchtem Club, trägt aber auch futuristische Vibes und sogar eine feine Preise Pop in sich – kann man machen, ist bärenstark. Wie auch das folgende „Butterfly“, das sich instrumental von Anfang an breit aufstellt und leger durch schummrig beleuchtete Gassen schlendert.

Eine gewisse Lässigkeit gehört bei Kiiōtō dazu, siehe und höre unter anderem „Zero Gravity“. Mehr futuristische Klänge, ein paar Flötentöne und abgehangene TripHop-Atmosphäre machen Laune. „White Noise“ lehnt sich noch weiter aus dem Fenster, bewegt sich gerne mal ein klein wenig neben dem Beat und setzt stattdessen auf stilvolle Vibes. Bei all der Coolness kommt ein Track wie „Warpaint“ gerade recht. Frühlingshafte, poppige Melodien, kraftvoller Gesang und ein geradezu übergehendes Herz stecken mit positivem Elan geradezu an. Der understatete Abgang „Five Eight“ bezieht seine Kraft hingegen aus der reduzierten Nachdenklichkeit.

Vibe Merchants der alten Schule räumen ab – so oder so ähnlich lässt sich dieses grundsympathische Album auf den Punkt bringen. In „Black Salt“ stecken Unmengen an Erfahrung, das lässt sich kaum von der Hand weisen, aber eben auch ordentlich guter Geschmack und beeindruckendes Können. Zwei starke Songwriter, eine magische Stimme, das feinsinnige Piano, dazu starke Studiomusiker und ein Wandeln an den Grenzen moderner Jazz-Klänge – mehr braucht es nicht zum vollkommenen Glück. Kiiōtō liefern feinen Stoff für Herz und Seele, der mit jedem Durchlauf an Kraft und Gefühl gewinnt.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Kiiōtō Records / Kudos

Website: www.kiioto.com
Facebook: www.facebook.com/Kiioto