XANKY – small moves

Die Abkehr von einem vermeintlich gefestigten Karrierepfad legte den Grundstein für einen neuen Weg: Timo Xanke schloss den Popkurs der Hochschule für Musik und Theater Hamburg 2015 ab, studierte am Institut der Musik der Hochschule Osnabrück und arbeitete in seiner Tätigkeit als Songwriter und Produzent unter anderem mit Jupiter Jones und Tujamo zusammen. Als Die Krux ging es auf Solopfade – deutschsprachige Musik mit Folktronica-Einfluss, was sich für den Künstler nie so richtig stimmig anfühlte. Nach dem zwischenzeitlichen Rückzug und der Suche nach einer eigenen musikalischen Sprache geht es nun als XANKY englischsprachig weiter. „small moves“ ist das erste Album.
Folktronica bildet auch weiterhin das Rückgrat und legt den Fokus auf Veränderung im Kleinen. Neues entsteht nicht unbedingt durch große Gesten, sondern durch kleine, mit Nachdruck wiederholte Handlungen – „small moves“. Der gleichnamige Opener weiß smoothes und zugleich eindringliches Understatement zu beherrschen. Legere Beat-Verschachtelungen, feinsinnige melodische Kost und einnehmender Gesang mit gelegentlichem Wechsel in höhere Gefilde nisten sich direkt im Ohr ein. Die frühe Faszination für Bon Iver bleibt greifbar, aber auch das Händchen für Popsongs à la Duncan Lawrence – eingängig, gefühlvoll und angenehm eigentümlich.
Zugleich geht XANKY offen mit seiner Angststörung um, die ihn seit mittlerweile über zehn Jahren begleitet. Songs wie „the black hole inside my chest“ zeugen davon und suchen nach einer Form von Geborgenheit, die viel zu häufig ausbleibt. Durchaus beseelt in den ersten Sekunden, entsteht ein auf Sparflamme flimmernder Song, dessen zarte Reduktion rührende Wirkung entfaltet und erst spät zu wachsen beginnt. Ob „steady“ wirklich die Antwort, das Ziel oder bloß reine Hoffnung bleibt, lässt sich nicht beantworten. Im nahezu konstanten Fluss, der gefühlt in jeder Sekunde abreißen kann, breitet sich Magie aus.
Der unmittelbare Umgang mit dem eigenen Gefühlshaushalt steht XANKY gut zu Gesicht, der Umstieg auf die englische Sprache war gewiss ein guter Schritt. Nicht etwa, weil alles, was zuvor erschienen war, in irgendeiner Form schlecht gewesen wäre, sondern weil ihm diese Ausdrucksform hörbar mehr liegt. Und weil sie prima zum elektronisch beeinflussten, verspielten, folkigen und unmittelbaren Sound passt, der selbst in experimentellen bis verwaschenen Momenten mitten ins Herz trifft. „small moves“ setzt kleine Zeichen mit großer Wirkung und zählt ohne Frage zu den unverfälscht schönsten Alben des bisherigen Jahres.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 24.04.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: xankyxankyxanky.com
Instagram: www.instagram.com/xankyxankyxanky
