Ben Barritt – Everybody’s Welcome

Ben Barritt
(c) Guido Rottmann

Wie funktioniert klassischer Singer/Songwriter-Sound anno 2019 eigentlich? Dieser Frage geht Ben Barritt mit wachsender Begeisterung nach. Der in London geborene Wahl-Berliner spielte in der Royal Albert Hall, arbeitete mit Kenny Wheeler und Bobby McFerrin, und tourte durch Europa und Asien. Reich an Eindrücken und Ideen, gestaltet sich „Everybody’s Welcome“ als musikalisches und gesellschaftspolitisches Motto. Auf Platte geht es betont bunt und ungewöhnlich vor sich.

Jazzige Vibes sind dauerhafter Begleiter dieses Albums und schwappen laufend an die Oberfläche. Das tiefenentspannte, unverschämt coole „Taste Of Freedom“ setzt auf Understatement, auf gekonntes Geblubbere und Barritts weiche, fordernde, in den richtigen Momenten durchaus unbequeme Stimme. Hier wird mit wachsender Begeisterung um die Ecke gedacht und gebracht, der erwartete Gefühlsausbruch bleibt hingegen aus – Loungemusik mit guten Lyrics, wenn man so will. „Lamplighter“ bringt das Jazz-Faible schließlich in lautere, lebhaftere Gefilde. Der Brite erinnert in manchen Momenten durchaus an Sting zu Police-Zeiten, ohne sich auch nur eine einzige Sekunde anzubiedern. Dass das Arrangement rundherum federt, flirrt, vibriert und mit lässigen Einfällen glänzt, passt ins Bild.

Bei Ben Barritt passiert in einem Song mehr als bei anderen Künstlern auf einem kompletten Album. Ein „Sing To Me“ rollt leger an, zweckentfremdet eine Folk-Gitarre und flirrt zwischen den Stühlen gen… Frühling? Ziel und Zweck scheinen nicht immer klar definiert zu sein, dafür passt die Laune. „Giant Steps“ flirtet durchaus mit dem Sommer und weckt Hoffnungen auf wärmere Tage, während der achtminütige Titelsong zum Abschluss alles in einen Topf wirft. Mehr Rock, mehr Jazz, mehr Folk, mehr Songwriter-Pop und ausladende Jam-Sessions ergeben eine vogelwilde Collage, die mehrere Durchläufe verlangt.

Einfach mal konsequent an sämtlichen Erwartungen vorspielen – es kann so einfach sein, wie „Everybody’s Welcome“ immer wieder zeigt, und auch so unverschämt gut klingen. Ben Barritt sammelt Genres wie andere Briefmarken, spielt mit Jazz und sogar einem Hauch von Funk und Reggae, bleibt dabei seinen Songwriter-Wurzeln treu und beschreitet doch neue Wege. Fürs Formatradio mag das hier nichts sein, alternative Frühlings- und Sommerhits wären allerdings schnell gefunden – ein tolles Album für Querdenker, Freigeister und Gernehörer.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.04.2019
Erhältlich über: Musszo Records (Edel)

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