Grizzly – Movement

Grizzly
(c) Samuel Mindermann

Der pure Spaß an der Musik treibt Grizzly aus Karlsruhe seit ihrer Gründung 2014 an. Scheuklappen gibt es für das Quintett nicht, stattdessen landet alles in einem gewaltigen Topf – Punk, Pop, Hardcore, Rap und mehr. Vergangenes Jahr erreichte das zweite Album „Polaroids“ Platz 51 der deutschen Album-Charts, nach der Tour steht schon wieder ein neuer Longplayer bereit. „Movement“ wirft abermals alles in den Mixer und lädt sich einige Gäste ins Studio ein.

Politik, Krieg und soziale Medien treffen auf Beziehungen und Privates – die Themen dieser Platte sind schnell umrissen und all over the place. Das macht Grizzly sympathisch, denn hier geht alles frei von der Leber weg, was auch den Songs an sich anzuhören ist. „Why We Move“ eröffnet als packende Crossover-Hymne mit Pop-Punk-Refrain und schroffem Rap-Part. Gregor Cheesy von der King Nugget Gang gibt sich die Ehre, später folgt unter anderem Romana von Attic Stories im unverschämt eingängigen, dennoch knüppelharten „Daydream“ oder Sushi von Eskimo Callboy im einfühlsamen Wellenbrecher „Silver Linings“.

Man weiß nie so recht, wohin Grizzly mit ihren Tracks wollen. Diese Unberechenbarkeit bringt Stimmung in die Bude, und so entwickelt sich das wilde „Social Media“ schnell zum Überflieger. Von wütenden Shouts über poppige Hooklines bis zum Crossover-Nackenbrecher spielt sich in diesen dreieinhalb Minuten so ziemlich alles ab, was die Karlsruher ausmacht. Erinnerungen an Taking Back Sunday und A Day To Remember werden wach. Das brachiale „Planet B“ steuert hingegen in wüste Hardcore-Punk-Gefilde und nimmt im Vollsprint alles mit. Aber auch das angenehm durchgeknallte „Snitches & Famebitches“ darf nicht unter den Tisch fallen.

Unterm Strich bleibt also ein herrlich schräges drittes Album, mit dem Grizzly ihren Ruf als Querdenker mit Ohrwurm-Garantie festigen. „Movement“ lebt von seinen vogelwilden Stilbrüchen, plötzlichen Wendungen und packenden Hooks, die selbst im derbsten Hardcore- und Rap-Metal-Ausritt an die Oberfläche schwimmen. Was nach den ersten paar Durchläufen umhaut, entwickelt schnell ein genüssliches Eigenleben. So sympathisch kann kontrollierter Wahnsinn sein.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.11.2019
Erhältlich über: Department Musik (Rough Trade)

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