Jeff Rosenstock – Hellmode

Jeff Rosenstock
(c) Matt Price

Die Welt geht den Bach hinunter, die Gesellschaft kollabiert, der Planet brennt: Jeff Rosenstock hat mehr als genug Gründe, wütende und chaotische Musik für wütende und chaotische Zeiten zu machen. Auf seiner neuesten Platte haut er ganz gewaltig auf die Kacke, gibt sich so laut wie möglich und findet dabei immer wieder Momente der Klarheit, der Hoffnung. In den renommierten EastWest Studios in Hollywood, wo einst „Toxicity“ von System Of A Down und der „Bodyguard“-Soundtrack von Whitney Houston entstanden, nahm Rosenstock seinen neuesten Streich „Hellmode“ auf.

Und der geht sogleich in die Vollen, auch wenn die anfänglich ruhigen Töne von „Will U Still U“ auf die falsche Fährte führen. Nach etwa 70 Sekunden setzt die Band ein und überschlägt sich in bester Punk-Manier, treibt den Track zuweilen in noisige Gefilde, während Rosenstocks Gesang heiserer, von einzelnen Schreien durchzogen wird. Das kurze, knackige „Head“ im direkten Anschluss gibt sich ähnlich wild und kreuzt Hardcore-Ansätze mit rockiger Lässigkeit und ausgefahrenem Mittelfinger – es kann manchmal so einfach sein. „Liked U Better“ rundet das starke Eröffnungstrio mit dezenten Ska-Elementen ab, gibt sich tanzbar und herrlich überdreht zugleich.

In dieser Manier geht es weiter, wobei Rosenstock viel wagt und gerne mal experimentiert.  So klingt „Healmode“ fragil und versöhnlich, auf wesentliche Singer/Songwriter-Klänge reduziert und sich zöglich vorantastend. Hingegen gibt sich „3 Summers“ laut, aufbrausend … und progressiv. Der Siebenminüter hat etwas von einer Mini-Rockoper, täuscht mit falschen Enden und Fährten, häutet sich mehrfach und trumpft schließlich mit einem gigantischen Finale auf. Sollte das too much sein, dann ist „Future Is Dumb“ die richtige Antwort. Ska, Punk, etwas Noise und Chaos finden zusammen für diesen lauten, beißenden Ohrwurm, der kaum sarkastischer ausfallen könnte.

Anders und doch vertraut, und zwar im besten Sinne: So oder so ähnlich lässt sich Jeff Rosenstocks neuester Streich zusammenfassen. Ja, „Hellmode“ setzt mit wachsender Begeisterung auf vertraute Qualitäten, dreht bloß alle Regler auf Elf. Mehr Volumen, mehr Chaos und mehr Punk mit dosiert eingesetzter Pop-Schlagseite finden eine wunderbare Mitte im Herzen einer selbstzerstörerischen Gegenwart. Und doch sind Rosenstocks bestens bekannter Sound, sein Witz, seine Energie zu jeder Zeit greif- und erkennbar. Unter gekonnt verschobenen Vorzeichen entsteht erneut Magie, bloß etwas schroffer und kratzbürstiger.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 01.09.2023
Erhältlich über: Specialist Subject Records (Broken Silence)

Facebook: www.facebook.com/jeffrosenstockmusic