Die Spitz – Something To Consume

Die Spitz
(c) Anatheme

Der Mötley Crüe-Streifen „The Dirt“ inspirierte vier Texanerinnen 2022 dazu, eine Band zu gründen. Die Spitz – der bestimmte feminine deutsche Artikel wurde bewusst gewählt – aus Austin mögen es laut, drückend und rifflastig, aber auch melodisch und gefühlvoll. Ihre Einflüsse beziehen sie unter anderem aus Punk, Metal, Hardcore und Alternative Rock, angetrieben durch Freundschaft und Zusammenleben, pointierte Texte und dem steten Spannungsverhältnis zwischen Politischem und Persönlichem. „Something To Consume“ ist ihr wuchtiges, intensives und mitreißendes erstes Album.

Ein Song wie „Throw Yourself To The Sword“ fällt im besten Sinne mit der Tür ins Haus und reißt diese inklusive übermächtiger Distortion ein. Wütendes Schredden bereitet den Weg für Groove-Ansätze und ähnlich forsche, heisere Vocals, regelrecht aus den Stimmbändern gepresst. In bester, noisiger Hardcore-Punk-Manier tankt sich das Quartett durch diesen Wutbrocken. Der Opener „Pop Punk Anthem (Sorry For The Delay)“ geht als krasses Gegenteil durch, nimmt das Tempo komplett heraus und spielt stattdessen mit Shoegaze-Ästhetik. Die bewusste, entstellte Schwerfälligkeit und der wiederholte Versuch, etwas beherzter zuzulangen, machen Laune.

An anderer Stelle bemüht „RIDING WITH MY GIRLS“ den kompromisslosen Drive von Motörhead, das Riffing der Dead Kennedys und die packende In-Your-Face-Intensität von Amyl And The Sniffers und packt all das in drei explosive Minuten – eine getriebene Hymne, zu der man gerne alles zu Kleinholz verarbeiten würde. Hingegen erinnert „Down On It“ an Grunge, bevor dieser Grunge war, richtig schön noisig und grantig. An anderer Stelle gibt sich „Sound To No One“ einer nicht näher benannten Finsternis hin und vermischt dröhnendes Chaos mit poppigen Ideen. „Voir Dire“ nistet sich hingegen in schwerfälligen Alternative-Klängen ein und sucht Leichtigkeit im Betonmassiv.

All das harmoniert letztlich hervorragend, auf schwer in angemesse Worte zu kleidende Weise. Eigentlich lebt „Something To Consume“ von seinem annähernd durchgehenden Widerspruch, so räudig wie hymnisch, finster wie filigran, brachial wie melodisch. Die Spitz mögen das lärmende Chaos, toben sich mit wachsender Begeisterung aus und beziehen Kraft aus der Einheit. Jeder Track lebt von unfassbarer Intensität, unabhängig von der musikalischen Ausrichtung, mal unfassbar heavy und erdrückend, dann wieder verträumt bis verwaschen, gerne noisig und undurchsichtig. Es sind die besten Zutaten für eine spannende, aufregende erste Platte, der man sich nicht entziehen kann, die immer besser wird – ein kleines Highlight zum Auftakt von einer Band, die noch viel Freude bereiten wird.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Third Man Records (Membran)

Website: www.diespitz.com
Facebook: www.facebook.com/diespitz