Lathe Of Heaven – Aurora

Mit einem echten Rohdiamanten von einem Album legten Lathe Of Heaven vor zwei Jahren einen echten Superstart hin. Ihr bewusst vielschichtig gehaltener Post-Punk-Ansatz, der gerne mit New Wave und Gothic anbandelt, wurde zur hochspannenden und bewusst ungewöhnlichen Rundreise durch die finsteren 80er Jahre. Eben jenen Weg setzen sie nun fort, wollen sich in jeder Hinsicht breiter aufstellen und lassen sich für eine Sammlung von Science-Fiction-Kurzgeschichten von einer Vielzahl an Romanen inspirieren. Lyrisch anspruchsvoll, musikalisch vielschichtig und zugleich auf allen Ebenen faszinierend zeigt sich „Aurora“.
Bereits der Opener „Exodus“ nimmt binnen Sekunden für sich ein und schafft es gekonnt, zwischen imaginären Stühlen Platz zu nehmen. Klassischer Post-Punk-Drive trifft auf bittersüße Melodik und Romantik, die forschen und doch bedachten Vocals beschwören einmal mehr den Vergleich mit frühen Killing Joke, während die Quasi-Hook fast absurd anmutet. Und doch geht das Ding nicht mehr aus dem Ohr. „Just Beyond The Reach Of Light“ breitet sich als magische Hymne aus, voller Anmut und Understatement, wie The Smiths ohne dominante Gitarren. Schwungvolle Depressionen kriechen aus den Boxen und nehmen in den nietenbehafteten Arm.
Dort drückt bereits „Catatonia“ die Atmung zu und erinnert an die Anfänge des Post Punk, so spröde und industriell wie menschenmöglich, dem etatmäßigen Untergang allen Seins nahe. In dieser unterkühlten und doch brutalistischen Atmosphäre wächst eine wahre Monstrosität heran, deren kleiner Bruder „Portrait Of A Scorched Earth“ sein könnte. Hier wird Lathe Of Heavens Faible für frühen finnischen Post Punk deutlich, frostig und spröde, mit bleiernem Underground-Charme versehen. Später leuchtet das „Kaleidoscope“ gar grell und versprüht pure Wave-Rock-Magie, die „Rorschach“ letztlich in Gothic-Abgründe zerrt.
Mit gekonnter Evolution auf Raten investieren Lathe Of Heaven in ihre eigene Zukunft und bedienen sich dafür einmal mehr der Vergangenheit. „Aurora“ zündet die nächste Raketenstufe, indem es mehr von allem hinzuholt. Herausgekommen ist ein in jeder Hinsicht großes und großartiges Album voller Hits, hochgradig abwechslungsreich und doch stets von einem scharlachroten Faden durchzogen. Fast depressiver bis brachialer Post Punk, der Großbritannien und Finnland verbindet, trifft auf wavige Romantik, auf Gothic-Chic, auf pure Melancholie und auf erste poppige Hooks. Die Wundertüte aus New York überrascht wieder und wieder, mit wachsender Begeisterung. Gewiss eines der Genre-Highlights des Jahres.
Wertung: 4,5/5
Erhältlich ab: 29.08.2025
Erhältlich über: Sacred Bones Records (Cargo Records)
Bandcamp: latheofheaven.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/lathe.of.heaven.nyc
