LÜT – LÜT

Zwei starke Alben, mehrere Award-Nominierungen, prominente Fans wie Lars Ulrich und Bela B, dazu Support-Shows für Die Ärzte: LÜT waren binnen kürzester Zeit zu neuen Hoffnungsträgern im Punk- und Rock-verliebten Norden aufgestiegen. Vor drei Jahren verließ jedoch Charakterstimme Markus Danjord die Band, um sich auf seine berufliche Laufbahn zu konzentrieren. Gitarrist Mads Ystmark übernahm, das Quartett begann schnell mit Arbeiten an neuem Material. Dabei wurde schnell klar: die helle bis schrille Stimme des Vorgängers zu kopieren, war kein Muss; Hauptsache songdienlich. Ihr drittes Album heißt „LÜT“, so wie die Band, und findet neue Klangfarben in vertrautem Umfeld.
Eine davon ist die Düsternis von „Glücksschmied“ – ominös, bedrohlich und doch von einer feinen Hook durchzogen. Ja, hier singt tatsächlich Edelfan Bela B mit, unterstreicht das Unbequeme dieses Tracks, während Ystmark zwar nicht höchste Höhen erreicht, dem Geschehen jedoch seine ganz eigene Würze verleiht – eine spannende Kombination. Das flotte, forsche „Perfekte Liv“ macht Feuer unterm Hintern, zieht wütenden Punk mit feinster Hardcore-Note auf, rockt durch die Garage und schüttelt im Vorbeigehen feinste melodische Texturen aus dem Ärmel. Die Geschwindigkeit bleibt stets hoch, das Energielevel macht Laune.
Hingegen liebt „Opp Ned“ die reduzierte Entschleunigung und geht sofort ins Ohr. So hymnisch und alles umarmend hört man LÜT nur selten, 80s-Haarspray-Gitarren im Abgang inklusive. Dafür verlassen sie schon gerne mal ihre „Komfortsona“, hier durch räudiges Stooges-Understatement illustriert, betont schwerfällig und bis obenhin voll mit grandiosen Riffs. Die hat auch „Bindingstid På Livstid“ für sich gepachtet, erhöht das Tempo aus dem gefühlten Nirgendwo und findet sogar Platz für einzelne spitze Schreie. Hingegen langt „Smil & Vink“ so richtig zu, bemüht Muskelspiele im Punk’n’Roll-Umfeld und experimentiert mit gesprochenen Strophen – auch das geht auf.
Obwohl ihnen das Besondere einer einzigartigen wie polarisierenden Stimme abhandengekommen ist, halten LÜT mehr als souverän Kurs. Der Blick konzentriert sich mehr denn je auf die Songs an sich, die richtig stark aufgestellt sind, so ziemlich alle Vorzüge des Vorgängers mitnehmen und gleichzeitig die eine oder andere neue Geschichte ausprobieren. Auch die Vocals bleiben stark, natürlich anders, aber dafür deutlich breiter aufgestellt. Das hilft dem abwechslungsreichen Material, dem Überschuss an großartigen Hooks und derben Riffs, den peitschenden Uptempo-Frontalattacken und den mächtigen, hymnnischen Texturen, die mehr und mehr Oberhand gewinnen. LÜT landen mit diesem kleinen Neustart den nächsten Volltreffer.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 12.09.2025
Erhältlich über: Crestwood Records / Loud Media (Warner Music)
Website: www.lutband.com
Facebook: www.facebook.com/bandlut
