Palila – Later

Palila
(c) Thomas Dufe

Rund um den Release ihres aktuellen Albums hatten Palila ein echtes Luxusproblem: zu viel Musik. Das angenehm vielschichtige „Children Will Be Furious“ zeigte zahlreiche neue Facetten der Indie-Multitalente, doch schaffte es längst nicht jeder Track auf die fertige Platte. Anstatt das Material im Archiv verschimmeln zu lassen, musste nachgelegt werden. Und so landet, nur fünf Monate später, eine EP mit vier weiteren Perlen aus den fruchtbaren Sessions. „Later“ bringt in aller gebotenen Kürze auf den Punkt, was diese Band so stark und so sympathisch macht.

Den Auftakt macht … „Children Will Be Furious“. Mit dem verspäteten Titelsong ist Palila ein echtes Gustostückerl gelungen. Bereits im Intro winken Dinosaur Jr. freundlich ums Eck, bevor das Ding fast durch die Decke geht. Während die Rhythmusabteilung das Tempo nach oben schraubt, gehen es Gitarre und Gesang eher ruhig an, dann brechen im Refrain schließlich alle Dämme. „Miss Cinnamon“ beginnt hingegen laut, heavy und fast schwerfällig. In dieser gemächlichen Wucht liegt jedoch ein Übermaß an Methode, denn mit dieser überdimensionalen Wand werden letzte kleine Widerstände in Rekordzeit gebrochen. Schließlich schält sich eine bezaubernde Melodie aus dem Dickicht, alles ist eitel.

In „Later“, dem Titelsong der EP, lebt die Band ihren konstanten Drang nach vorne aus, stellenweise fast punkig und doch so wunderbar vertraut. Die quengeligen Gitarre mit einem feinen Hauch von Wüstenstaub, die man von der letzten Platte kennt, schwingen im Unterbau mit und beflügeln diese Energieleistung mit wachsender Begeisterung. „Elvis On The Phone“ macht dann schon wieder das Licht aus, natürlich viel zu früh. Palila kosten das Finale aus, vom angenehm dominanten Bass bis zur omnipräsenten Nachdenklichkeit, die für eine zurückgenommene, fast vorsichtige Präsentation sorgt, getragen und doch voller kleiner Widerhäkchen.

Nicht nur die Kids wären wütend gewesen, hätten diese Songs das Tageslicht nicht erblickt. Was Palila hier machen, ist einfacht nur richtig gut – wie immer, möchte man inzwischen sagen, und das stimmt eigentlich auch. Denn das Trio aus dem Norden zählt ohne Frage zu den besten Indie- und Alternative-Acts des Landes, wenn nicht sogar des Kontinents. Das stellten sie auf ihrem letzten Album eindrucksvoll unter Beweis, das gelingt auch mit dieser Fortsetzung auf ganzer Linie. „Later“ geht direkt unter die Haut, in die Beine, mitten ins Herz und überall sonst hin. Das nährt einmal mehr die Seele.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: DevilDuck Records

Facebook: www.facebook.com/palila.music