Palila – Rock’n’Roll Sadness

Palila
(c) Thomas Duffé

Zwei erdige EPs voller kompetenter Gitarrenmusik zwischen 90s-Retro-Charme, post-modernem Nostalgiegefühl und kerniger DIY-Attitüde katapultierten Palila in den letzten beiden Jahren direkt in den verdienten Fokus. Das Hamburger Trio mag es vergleichsweise schlicht, direkt und schnörkellos, aber auch eine Spur schroff und ungeschliffen, wie sich das nun mal für echte Rohdiamanten gehört. Solche gab es auf den beiden Kleinformaten zuhauf, nun folgt die Kür auf Albumlänge. Mit dem treffend betitelten „Rock’n’Roll Sadness“ werden sämtliche Erwartungen vollends erfüllt. And then some.

„NY Family Plans“ bringt den Sound Palilas in drei Minuten auf den Punkt. Auf den ersten Blick ungeschliffen und ungestüm, verbirgt sich hinter der Gitarren-Tour für Pixies- und Dinosaur Jr.-Fans zwischen Indie, Alternative und College Rock ganz viel Cleverness, ganz viel Liebe für Details. Die leicht brüchigen und doch kraftvollen Vocals, die sorgsam herausgearbeiteten Melodien, gelegentliche Momente ungestümer Spielfreude – es kann so einfach sein. Übrigens gilt das auch für auf den ersten Blick schwerfällige Nummern, darunter „Sapphire“. Eine gewisse Bedrückung scheint mitzuschwingen, löst sich jedoch geschickt in aufbrausende Leidenschaft für den Song an sich auf.

Überhaupt entpuppt sich diese Platte schnell als gitarrenlastiger Siegeszug. „Rock’n’Roll Sadness“, der Titelsong, bemüht einfachste Songwriting-Muster und wirkt dennoch so frisch, so unverbraucht. Das gilt auch für „Nemesis“, ein vergleichsweise ruhiger Track, bei aller angedeuteter Fragilität doch von Aufbruchsstimmung erfüllt und bereit, gleich mehrere Bäume auszureißen. „Hitchhiker“ verdichtet dieses Gefühl mit erhabener Melodik und einem Arrangement, das einfach nicht aufhören will, das sich zu immer neuen Höhen aufschwingt und – natürlich – in ein ähnlich ausladendes wie beseeltes Gitarrensolo führt.

Im Grunde ist es einfach: Wer die bisherigen beiden EPs von Palila mochte, wird ihr Debütalbum lieben. Wer Alternative- und Indie-Klänge mit 90s-Schwerpunkt schätzt, fühlt sich hier pudelwohl. Wer von energischer, leidenschaftlicher und zugleich aufwühlender Gitarrenmusik nicht genug kriegen kann, muss „Rock’n’Roll Sadness“ haben. Jeder Hauch von Euphorie für diese 42 Minuten in Vinyl-Ideallänge ist verdient, gehört eigentlich sogar zum guten Ton. Palila erfinden das Rad nicht neu, motzen es schon gar nicht unnötig auf. Ihr Sound ist ehrlich; ehrlich gut.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 12.11.2021
Erhältlich über: Kapitän Platte (Cargo Records)

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