Drink The Sea – Drink The Sea I & II

Ein guter Geist schwebt über dem Doppel-Einstand einer prominent besetzten Band, und ist doch leider nicht mehr her: Hinter Drink The Sea stecken verschiedene Musiker, die unter anderem mit Mark Lanegan zusammengearbeitet hatten. Am Start sind Duke Garwood, Alain Johannes (u. a. Queens Of The Stone Age), Peter Buck (R.E.M.), Barrett Martin (u. a. Screaming Trees) sowie Multi-Instrumentalistin Lisette Garcia. Musikalisch bewegt man sich durchaus im Geiste der legendären Reibeisen-Stimme, von transzendentalen und angenehm globalen Einflüssen begleitet – bluesig, wüst, mit Alternative- und sogar Folk-Chic ausgestattet. Zu Beginn gibt es gleich ein Doppelalbum, „Drink The Sea I“ und „Drink The Sea II“, innerhalb 14 Tagen separat erschienen.
Was beide Platten so spannend macht, ist ihr zartes und doch bestimmtes Understatement. „House Of Flowers“ auf dem ersten Album ist das beste Beispiel dafür, im zarten Dauerfluss, voller feinstem Understatement und Garcias grandioser Percussion, die nicht nur diesem Track dezentes World-Music-Flair verleiht. Garwoods weicher Gesang und die schwebende Arrangierung kommen ebenso gut wie das beinahe zwingende, dennoch zarte „The Strangest Season“. Drink The Sea nähern sich dem großen, alles umarmenden Moment und kehren doch wieder zur zurückhaltenden Melodie zurück. In „Saturn Calling“ überraschen tanzbare, funkige Einflüsse, während die Gitarre kreischt und sich windet. Stark ist auch der folkige Blues von „Paredes“, kraftvoll und voller Leidenschaft.
Das zweite Album steht dem ersten Teil in nichts nach. Wie sich auf „Rose Crested Sky“ langsam, aber sicher zuckersüße Melodien lösen, während selbst Garwood höhere Register aufsucht – das hat nahezu EchoBrain-Flair. Im „Midnight Starlight“ wird es mystisch, bedrohlich, anderweltlich, und doch bleibt dieses omnipräsente Funkeln stets spürbar. Hier hakt „Sacred Tree“ ein und bringt Transistor-Chic in den Jazz-Club – schräg, verwegen und doch geerdet. Das sollte nicht zusammenpassen, ist aber mindestens so groß wie das liebevolle, fordernde „Aching Harbor“, dessen Schmerz in jeder Note greifbar wird und doch so wunderbar bittersüß ausfällt.
Es gar nicht so leicht, diese Masse an Musik, diese 22 Songs, einigermaßen zu sortieren. Trotz gemächlichem Tempo und weitestgehend zurückgenommener Präsentation überfordern Drink The Sea mit ihrem Doppelschlag erst einmal. Und dann, ja, dann lösen sich diese kleinen Feinheiten aus der breiten Masse heraus und machen eine bezaubernde, herzensgute und zugleich melancholische Platte greifbar. Das erinnert an die ruhigeren Momente der Desert Sessions, an die Ausführungen eines Nick Cave, an den folkigen Outlaw-Desert-Blues von Lanegan. „Drink The Sea I“ und „Drink The Sea II“ sind Alben voller Details, cleverer Kunstgriffe, magischer Percussion und einer schwer in Worte zu kleidenden Stimmung, anderweltlich und doch fest im Hier und Jetzt verankert. Das ist Musik, um sich treiben zu lassen, die doch immer wieder aufhorchen lässt. Große Musiker schaffen gemeinsam Großes – zwei Platten für offene Herzen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 19.09.2025 / 03.10.2025
Erhältlich über: Sunyata Records
Website: drinktheseamusic.com
Facebook: www.facebook.com/DrinkTheSeaOfficial
