Psychedelic Porn Crumpets – Pogo Rodeo

Psychedelic Porn Crumpets
(c) What Reality? Records

Psychedelic Porn Crumpets sind fleißig, ob auf oder neben Bühne. 2025 gab es sogar gleich zwei Studioalben, weil live nicht ganz so viel ging. Das lag unter anderem am Ellenbogenbruch von Sänger und Hauptsongwriter Jack McEwan, der beim Songwriting notgedrungen auf das ungeliebte Keyboard umsteigen muss. Das hinterließ jedoch Eindruck und prägte den Sound des australischen Sextetts durchaus, ohne auch nur annähernd von vertrauten Klängen abzurücken. Viel mehr punktet „Pogo Rodeo“ mit spannenden und selbst für Band-Verhältnisse durchaus ungewöhnlichen, doch stets willkommenen Facetten.

Trotz breitbeinigen Gitarren glänzt „Manny’s Ready To Roll“ mit frischen Vokal-Effekten, die durchaus in Glam-Pop-Gefilde tragen, die bereits vor 15 bis 20 Jahren angesagt waren und mit den derben Riff-Breitenseiten prima harmonieren. Hingegen trägt „Looniversal“ zeitweise in Easy-Listening-Gefilde, spielt mit Blues-Charme und beweist kuriosen Witz. Den hat auch das zeitlose „Heading To Fringe“ für sich gepachtet, holt sich semi-balladeske Töne hinzu und bemüht volle Entspannung. Derlei charmante Gemächlichkeit steckt an, die Psychedelic Porn Crumpets entführen locker und lässig in die 60er und 70er und fühlen sich auf komfortable Weise betäubt.

Hingegen ist „Texas Rangers“ hellwach und bemüht verwaschene Western-Elemente – kurios, kauzig, kantig und leicht verstörend. Das beherrschen die Australier perfekt – wie auch kompromisslose Heavyness im eröffnenden Doppel. Erst zerlegt sich „Salsa Verde“ selbst zu Kleinholz und gibt sich so überdreht wie menschenmöglich, danach flirtet „Born In The A.D’s“ mit Garage Punk, angriffslustig und schräg, wie eine abgefuckte Antwort auf The Hives. In „Bowling With Tim“ findet die Band wieder zurück zu bekömmlichen, fast poppigen Klängen und deutet ihr ureigenes „Electric Feel“ an, ohne auch nur annähernd dort anzudocken.

Erst laut und angriffslustig, dann zunehmen entschleunigt und psychedelisch: „Pogo Rodeo“ ist im besten Sinne ein Album zweier Hälften und deckt weite Teile des Crumpet’schen Schaffens ab. Das geht aber auch absolut in Ordnung, denn zwischen drastischen bis peitschenden Rockern und leicht experimentellem Understatement liegen so viele faszinierende Zwischentöne, die mit wachsender Begeisterung ausgelotet werden. Aber vor allem: Das Songwriting stimmt, Keyboard hin oder her. Unter diesen etwas anderen Vorzeichen wird gerne mal einiges ausprobiert, dem unvermeidbaren Wahnsinn stets nah. Mit ihrem zweiten Album binnen sechs Monaten pendeln sich Psychedelic Porn Crumpets auf hohem Niveau ein, versuchen einmal mehr etwas und fahren den verdienten Erfolg ein.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.10.2025
Erhältlich über: What Reality? Records

Website: www.psychedelicporncrumpets.com
Facebook: www.facebook.com/psychedelicprncrumpets