Teen Jesus And The Jean Teasers – Glory

Teen Jesus And The Jean Teasers
(c) Mom+Pop

Wenn es läuft, dann so richtig: Teen Jesus And The Jean Teasers schweben auf einer Welle des Erfolgs, gerade in ihrer australischen Heimat. Ihr erstes Album platzierte sich in den Top 10, 2024 nahmen sie den prestigeträchtigen ARIA Award als beste Newcomer entgegen, zudem supporteten sie unter anderem Foo Fighters und Pearl Jam. Für den Nachfolger konnte man die mit drei Grammys ausgezeichnete Catherine Marks gewinnen, die unter anderem bereits Boygenius und Wolf Alice produzierte. „Glory“ bleibt jedoch dem geschmackvoll drastischen, angepunkten und zugleich drückenden Sound des Vorgängers treu.

„Balcony“ erklärt den Balkon zum ungewohnten Schauplatz von Freundschaften und zerbrechenden Beziehungen. Der unwiderstehliche Drive und die kantige wie unterhaltsame Hook wecken natürlich gewisse Erinnerungen an Wet Leg und stehen doch stets auf zwei trockenen eigenen Beinen, leicht angepunkt und richtig schön kraftvoll. Bei „Mother“ möchte man hingegen zunächst an eine kleine, aber feine Ballade denken, selbst der tänzelnde Garbage-Charme in der Brücke passt durchaus ins Bild. Letztlich geht der Chorus durch die Decke, etwas gemächlicher als sonst, mit seinen Post-Grunge-Untertönen und den schrubbenden Gitarren aus der Garage jedoch höchst unterhaltsam.

Dass im direkten Anschluss „Bait“ seine Riot-Haltung in gut zwei Minuten komprimiert und beherzt zulangt, macht ebenso Laune wie das mit Pop-Harmonien experimentierende „Turn Around“, dessen Leichtfüßigkeit ebenfalls bloß gut 130 Sekunden mitbringt und sich kraftvoll entlädt. Der unwesentlich längere Opener „Watching Me Leave“ hat den Finger am Abzug, platziert sich zwischen den Stühlen und geht ins Ohr. Das gelingt eigentlich jedem Song, darunter auch das herrlich verspielte, dezent verschroben anmutende „Unscarred“. Teen Jesus And The Jean Teasers fühlen sich im Midtempo-Bereich ebenso hörbar wohl.

Damit sei aber keinesfalls gesagt, dass die Australierinnen nun langsamer und gemächlicher machen. Klar, ein gewisses Maß an Eingängigkeit mit unerwarteten Indie-Pop-Ausläufern kommt vielleicht ein klein wenig überraschend, steht Teen Jesus And The Jean Teasers aber richtig gut zu Gesicht. „Glory“ stellt sich breiter auf, etwas unvorhersehbarer, liebt seinen Pop-Chic und seine Harmonien, aber hat noch lange nicht genug von klarer Kante, von einer ganz eigenen Riot-Girl-Vision, von Punk- und Grunge-Ausläufern. Herausgekommen ist ein von vorne bis hinten richtig gutes Album, in der Heimat ebenfalls in den Top 10 gelandet und die Bestätigung, dass es sich beim Quartett keinesfalls um Eingangsfliegen handelt. Ganz im Gegenteil: Hier scheint noch viel, viel mehr zu gehen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 07.11.2025
Erhältlich über: Mom+Pop / Community Music (Bertus)

Website: www.teenjesusandthejeanteasers.net
Facebook: www.facebook.com/teenjesusandthejeanteasers