Weedpecker – V

Weedpecker
(c) Nikita Wierchow

Eine Zeit starker, einschneidender Veränderungen liegt hinter Piotr Dobry. Der Mastermind von Weedpecker erkannte, dass nichts für die Ewigkeit bestimmt ist, dass selbst die schönsten Dinge ganz plötzlich und unerwartet verschwinden können. Dobry konnte und kann dieses Gefühl selbst nicht so richtig beschreiben und versucht es auf dem neuesten Album seiner Band zu verarbeiten. Die gut fünf Jahre Wartezeit auf „V“ zogen sich vielleicht, dafür machten sich die sehr detailorientierten Arbeiten über mehrere Monate und in mehreren Studios nach einem kompletten Jahr Songwriting und Demo-Aufnahmen hörbar bezahlt.

„Fading Whispers“ zählt zu den Ganzlichtern dieser Platte, nicht nur aufgrund der mehr als stattlichen Spielzeit von über elf Minuten. In dieser spacigen Reise durch Raum und Zeit macht sich das deutlich ausgeprägtere Auge (und Ohr) für Details hörbar bezahlt. Zartes Anschwellen, butterweicher Gesang und klassisch-proggige Note finden gekonnt zusammen, während der Track langsam, aber sicher anschwillt. Der ruppig-verträumte Ansatz kommt gut, ebenso die dezenten Modulationen der Lead-Gitarre und der begleitenden Synthis. Nach einem kurzen, intensiven Gesangspart fällt der Abgang unerwartet schroff, fast metallisch aus – eine unerwartet frontale Wendung.

Insgesamt melden sich ein paar Stoner-Gitarren mehr als zuletzt zurück, doch bleiben die Polen ihrem verträumten, gelegentlich schwerfälligen Psych- und Fuzz-Ansatz treu. Das zeigt sich unter anderem in „Mirrors“, das wieder und wieder ordentlich auf die sprichwörtliche Kacke haut, dabei aber stets in sich ruhend wirkt. Gerade in Synth- und Keyboard-Bereich klingt das Quintett verträumter denn je und setzt mit mehrstimmigen Vocals ähnlich himmlische Kontraste. Das ausdauernde „Ash“ mit seinen derben Nackenschlägen und der abgedrehten Lead-Gitarre kommt ebenfalls gut. Minutenlang bewegt sich der Song am Anschlag, findet wieder und wieder zu neuen Höhen, bevor der feinsinnige Chor in unwirkliche Gefilde entführt.

Diese betont unwirkliche Atmosphäre zählt zu den großen Stärken von Weedpecker, die tatsächlich noch einen Tacken eigentümlicher, epischer und verspielter klingen. Passend zu Dobrys State of Mind leben die Songs im Hier und Jetzt, wirken fokussiert im Angesicht der Vergänglichkeit, klingen über weite Strecken einen Tacken positiver und lassen über verstärkte Heavyness den unvermeidbaren Kollaps des Status Quo einfließen. „V“ weiß, dass all das hier nicht für die Ewigkeit gemacht ist, und holt tatsächlich das Beste heraus. Vielschichtiger Psych mit spacig-fuzziger Schlagseite, mehr Synths und gelegentlicher Erdung kommt gut – hoffentlich nicht zum letzten Mal.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 27.02.2026
Erhältlich über: Heavy Psych Sounds Records (Cargo Records)

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