Doodseskader – The Change Is Me

Wenn das zweite Album tatsächlich das schwerste sein soll, was denken Doodseskader wohl über ihre dritte Platte? Relativ wenig, denn nach „Year One“ und „Year Two“ verwarfen Tim De Gieter und Sigfried Burroughs das bereits fix und fertige „Year Three“. Diverse Gigs während dem Mixing-Prozess zeigten dem Duo aus dem belgischen Gent, dass sie inzwischen zu anderen Menschen geworden waren. Anstatt sich abermals auf kontinuierliche Selbstverbesserung zu konzentrieren, dokumentierte man ausnahmsweise den Status Quo und bemühte sich um die Akzeptanz eigener Fehler und Stärken. „The Change Is Me“ soll eine positivere Ära einläuten.
Zwei Freunde gegen eine Welt, die den Bach runtergeht und immer mehr Enttäuschungen bietet: Dieses Motto passt perfekt zum gerne mal dystopischen und stets chaotischen Sound der Belgier. Denn an ihrem latenten Wahnsinn schrauben Doodseskader weiterhin mit wachsender Begeisterung. Passend dazu kommt die Erkenntnis, dass Veränderungen nicht erzwungen werden können. Zynische Beobachtungen wie „Celebrity Culture Simp Farm“ übernehmen und langen beherzt zu – mit gewohnt finsterer Wucht, HipHop-Anleihen, Industrial-Finsternis und mächtigen Alternative-Hooks samt Pop-Flair, von denen man sich nicht mehr lösen kann. Der entstellte Abriss nach circa zwei Minuten kommt gut.
Das großartige „Weaponizing My Failures“ befasst sich mit Freundschaft, mit Grenzen und mit engen Verbindungen – angenehm trostlos und reduziert, zugleich voller erschöpfender Schwere und dieser kleinen, eindringlichen Melodie, die nicht mehr aus dem Kopf geht. Ruhig und radiofreundlich sind Doodseskader aber noch lange nicht geworden. Da wäre beispielsweise der Rave-Rap-Abriss „It Keeps On Stinging“ mit beißenden Post-Hardcore-Einlagen nebst Prodigy-Breaks, der gar prima verzückt. Oder die Sludge-Wände in „Insignificant Other“, die an De Gieters frühere Band Amenra erinnern. Oder der Horror-Rap von „Glass Mask On“ samt Nu-Metal-Wänden. Oder …
Die Liste ließe sich endlich fortsetzen, gibt es doch in jedem der zehn Songs unheimlich viel zu entdecken. Mit ihrem kapitalen und zugleich eindringlichen Abriss räumen die Belgier nach allen Regeln der Kunst ab. Doodseskader bleiben dem Chaos treu, verschieben die Vorzeichen ein wenig und toben sich ein wenig in sämtliche musikalischen Himmelsrichtungen aus. Wenige beherrschen düstere Beats so wie De Gieter und Burroughs, können unwirtliche Eingängigkeit à la Nine Inch Nails so prima an furiose Eruptionen mit Nu- und Post-Metal-Charakter reihen. Und mit Pop und Grunge drüberfahren. „The Change Is Me“ sucht und findet Veränderung, obwohl diese nicht gebraucht wird. Da darf man sich ruhig mal selbst auf die schmerzende Schulter klopfen.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: 45 Records
Website: www.doodseskader.com
Facebook: www.facebook.com/Doodseskader
