Abramowicz – Joy Of Missing Out

Abramowicz
(c) Marcel Huth

Das Heartland-Herz schlägt endlich wieder in Hamburg, und das lauter denn je: Abramowicz haben nach über sechs Jahren wieder neue Musik im Gepäck. Nach der Tour zum 2019 erschienen „The Modern Times“ war erst einmal Ruhe. Für einen Nachfolger ließ man sich bewusst Zeit, erarbeitete alles nach und nach im Proberaum und integrierte mit Nico Thiel einen dritten Gitarristen, der den Sound noch größer klingen lässt. Von Dankbarkeit ist die Rede, vom Blick zurück auf die Reise der Jugend zur erwachsenen Gegenwart, vom Gemeinsamen und von Tiefgang in einer Welt voller Oberflächlichkeiten. „Joy Of Missing Out“ lehnt sich zurück und lässt doch nie locker.

Ein lebhaftes, intensives Klavier läutet das Album ein, dazu einige wenige Vocals und schließlich der Abbruch am Höhepunkt: „Entering Monster City“ bereitet auf die Reise vor, „Money Takes“ geht schließlich in die Vollen. Da schwingt schon mal etwas Pathos mit, klar, aber auch so viel Herz und Charme. In jeder Note steckt mächtig Liebe. „The Quiet“ geht es sogar noch ein wenig forscher an, stapelt das neue Überangebot an Gitarren mit wachsender Begeisterung aufeinander und kramt am Höhepunkt ein bierseliges Saxofon hervor. Tatsächlich rührt das so ein klein wenig und macht das anschließende „Mercimek Forever“ noch bemerkenswerter. Schwerfällige und hymnische Reduktion, unerwartete deutschsprachige Gast-Vocals von JULE und schließlich doch wieder Arm in Arm in die Nachdenklichkeit.

Fortan stimmen Abramowicz einen kleinen Siegeszug an und hauen eine Songperle nach der anderen raus. Wie „Orange Lemonade“ mit seinen schrammelnden Gitarren, dem punkigen Drive und einer feinen, fast unsichtbaren Prise Fernweh im Abgang. Oder der Abgesang auf schnellen Ruhm in „Hunter“ mit einem exzellenten Basslauf, ganz viel Energie und zugleich sanften Tönen, die schon mal die eine oder andere Träne bemühen. Der übermächtige Stomper „DNA Runaway“ ist auf andere Weise großartig. Unbändige Kraft in jeder Note, himmlische Vocals und dieses fieberhafte, immer größer werdende Finale versprühen pure Magie. Im Vergleich dazu gibt sich „Doomsday“ fast schon brav, doch liegt auch in dieser oberflächlichen Ruhe mit doppeltem Boden viel Magie begraben.

Gewisse Heartland-Vergleiche drängen sich förmlich auf, keine Frage, doch entkommen Abramowicz diesen mit purer Leidenschaft und spürbarem Herzblut in jeder einzelnen Note. Deutlich mehr Rock als Punk, eine schiere Armada an Harmonien und zudem gesunder Pathos, der dennoch nie peinlich berührt – das sind Zutaten für Ausnahmealbum. Man hört – nein! – man spürt, wie viel Kraft und Liebe zum Detail, zur Musik an sich in jeder einzelnen Note stecken. Dass man ein Album mit dem Titel „Joy Of Missing Out“ auf keinen Fall verpassen darf, ist natürlich nicht frei von Ironie, und doch ist das hier ohne Frage jetzt schon eine der besten Gitarrenplatten des Jahres. Abramowicz sind hiermit offiziell und endgültig angekommen.

Wertung: 4,5/5

Erhältlich ab: 22.05.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb

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