Hysterese – Hysterese

Understatement bleibt das Motto von Hysterese. Keine großen Worte, keine Werbung, wenig Social-Media-Aktivität und Minimalismus bei der Benennung ihrer Alben zeichnen das Quartett aus Tübingen seit seienr Gründung 2009 aus. Ihre letzte Platte hat mittlerweile knapp fünf Jahre auf dem Buckel, auch der Nachfolger verzichtet auf einen Titel. Die Musik soll für sich sprechen, und das gelingt einmal mehr. „Hysterese“ (das fünfte Album, das den Namen der Band trägt) erweitert den Sound ein weiteres Mal, spielt mehr und mehr mit klassischeren Alternative- und Hard-Rock-Mustern, bleibt dem Punk in verschiedenen Spielarten treu und schielt gerne mal in Richtung Heavyness.
Der eröffnende Doppelschlag macht Laune und orientiert sich ein klein wenig zurück, um nach vorne zu gelangen. „Sedative Nights“ legt trocken und roh los, spielt mit einem Hauch von Post Punk und emotionalem Kargland, mag kantigen Hard Rock ebenso wie die NWOBHM-Ursuppe. Das brodelnde, drückende Ergebnis lässt die Nackenmatte automatisch mitgehen, von kraftvollen Vocals gekonnt begleitet. Danach erhöht „Only Players Left Alive“ die Schlagzahl ein wenig. Donnernde Drums und ruppige Salven treffen auf bleierne Schwere, auf angepunkte Aggression, aber auch auf zumindest angedeutete melodische Zwischenräume.
Ganz so wuchtig bleibt es nicht, denn Hysterese springen zwischen Schubladen und Epochen umher, ohne sich irgendwo niederzulassen. „No Dreams“ nimmt klassischen Hard Rock ebenso mit wie modernere Alternative-Klänge, „Nightfall“ liebt die Düsternis der 80er Jahre und „Paintrader“ geht gerne mal in punkigen Gewässern fischen. Dort taucht auch „Golden Boy“ immer wieder unter, bevor wütende Shouts und heisere Urgewalt mit wachsender Begeisterung brutal zulangen. Manilla Road werden in „Necropolis“ gecovert, grandioser hymnischer Chorus inklusive. Das ist mindestens so stark wie die undurchdringlichen Gitarrenwände von „Uphill Battle“, die alles zerlegen.
Einmal mehr justieren Hysterese die Stellschrauben nach und überzeugen auf ganzer Linie. Ihr jüngster selbstbetitelter Streich wirkt insgesamt einen Tacken härter, ruppiger und düsterer, was ihnen sehr gut zu Gesicht steht. Sämtliche Songs machen Laune, energisch, trocken und herzhaft dargeboten, dazu gibt es ein überraschendes Cover, das sich prima in die restliche Platte einfügt. Hysterese verzichten auf Schnickschnack, lassen die Musik für sich sprechen und klingen dabei hymnischer und roher als zuvor, aber auch wie die logische Fortsetzung der letzten Alben. Klingt widersprüchlich, macht aber Laune – richtig gut, wie immer.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 22.05.2026
Erhältlich über: This Charming Man Records (Cargo Records)
Bandcamp: hysterese.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/hysterese_pnx
