Get Well Soon – Minus The Magic

Get Well Soon
(c) Oskar Funke

Ein neues Album von Get Well Soon ist immer ein Grund zur Freude, wenngleich die vier Jahre Wartezeit doch wieder sehr lange waren. Unter anderem produzierte Konstantin Gröpper fleißig für diverse Film- und Fernsehproduktionen (zuletzt „How To Sell Drugs Online (Fast)“ und „Achtsam morden“), außerdem sollten nach 20 Jahren ein paar Dinge etwas anders laufen. So wurde das siebte reguläre Studioalbum erstmals komplett in Bandbesetzung eingespielt, dazu auf die eine oder andere ältere Nummer zurückgegriffen. „Minus The Magic“ ist ein Werk über die Lebensmitte, irgendwo zwischen Bestandsaufnahme, Selbstreflexion und Blick nach vorne unterwegs.

Der Vorbote „OK“ war eine kleine Überraschung, ein unerwarteter Rückgriff auf das Songwriting Gröppers Jugend, mit mehr Tempo und Aggression versehen. Donnernde Drums, kantige Gitarren und über den Dingen schwebende Vocals werden zum Motor eines furiosen wie eindringlichen Beinah-Punk-Ausreißers. Davor steht „The 4:3 Song“, im Original 2014 auf der EP „The Lufthansa Tapes“ veröffentlicht und nun – wie dessen vier anderen Tracks auch – neu aufgenommen und arrangiert. Die gewünschte Energie ist in jeder Sekunde greifbar, der forsche Drive nebst kleinen Hooks macht Laune. Selbstverständlich darf das etatmäßig mächtige Arrangement nicht fehlen.

An dieser neuen Energie hat Gröpper Freude gefunden – siehe und höre „When They Cheer You’re Wrong“, das mit hibbeilgem Post-Punk-Witz auftrumpft, den Bass nahezu durchdrehen lässt und seinen tänzelnden Gitarren kühl begegnet. Wie sich „The Pope Washed My Feet In Prison“, eine weitere Neuaufnahme, aus den eigenen Untiefen hervorarbeitet und den Crooner mit drückenden Drums bombardiert, ist großes Kino. Natürlich darf der vertraute, verklärte Feinsinn keinesfalls fehlen. „That’s Not Me“ schleppt sich leicht verplant voran und glänzt doch mit klarer Mission. „The Golden Toilet Heist“ will tanzen, wird zwischendurch laut und aufbrausend, geht letztlich aber ’nur‘ ins Ohr – ein Kunststück für sich.

Das Ergebnis klingt vertraut, frisch, etwas anders, letztlich aber doch nicht – sehr eigenartig und überaus charmant. Die Magie von Get Well Soon steckt natürlich in jeder Note von „Minus The Magic“ und wird mit wachsender Begeisterung zelebriert. Bloß etwas forscher und unmittelbarer, sofern man das hier sagen kann. Der Blick auf den eigenen Lebensweg, das Abarbeiten an der Gegenwart und zugleich die feinsinnige Art und Weise, mit der älteres Material erneut aufgegriffen wird – all das macht Bock und zeigt Get Well Soon auf sympathische Weise energisch bis eindringlich, ohne die erhofften sanften, einfühlsamen Momente zu vergessen. „Minus The Magic“ ist ein Gustostückerl geworden, wieder etwas anders und doch wie erhofft. Ein zweites Album soll noch in diesem Jahr folgen. Die Messlatte liegt bereits hoch.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 22.05.2026
Erhältlich über: Scarlet Beast Records / recordJet (Edel)

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