Iceage – For Love Of Grace & The Hereafter

Iceage
(c) Alva Le Febvre

Der konstante Zusammenbruch begleitet Iceage seit jeher. Die Dänen scheinen diesen permanenten Ausnahmezustand regelrecht zu brauchen, um tatsächlich funktionieren zu können, auch wenn es zuletzt etwas ruhiger um das Quintett geworden war. Sänger Elias Rønnenfelt kümmerte sich unter anderem um seine Solokarriere, erste Songs ergaben sich vor etwa zwei Jahren. Aufgenommen wurde vergangenen November in jenem Studio, wo bereits das dritte Album „Plowing Into The Field Of Love“ entstanden war. Für „For Love Of Grace & The Hereafter“ soll jede Form von romantischer Liebe und Leidenschaft, die das Werk von Iceage schon immer begleitet, mit neuer Klarheit fließen.

Was sich zugegebenermaßen etwas geschwollen liest, lässt die Art-Punker aus Kopenhagen so direkt und unmittelbar wie selten auftreten. „Holy Water“ verkörpert diesen Ansatz wie nur wenige andere Tracks. Der seltsame Gitarrenton brennt sich ein, das flotte Tempo macht Laune und bringt noisigen Post Punk mit leicht folkiger Note zusammen. Rønnenfelt folgt einmal mehr seiner eigenen Tonleiter, das eigentümliche Gebräu geht nicht mehr aus dem Ohr. An anderer Stelle nimmt sich „No Fear“ zurück, rückt den pulsierenden Bass in den Mittelpunkt und findet fast meditative Ruhe. Dass es dennoch unter der Oberfläche brodelt, bleibt nicht verborgen.

In weiterer Folge entwickelt sich ein nach wie vor leicht unberechenbares, dennoch bekömmliches Album. Warum „Star“ tanzbar und funky ist, dabei aber das Nervenkostüm strapaziert, lässt sich nicht wirklich erklären – unterhaltsam ist die tanzbare Implosion auf jeden Fall. „Salve For Every Sore“ legt sogar noch einen drauf, lässt die Tanzschuhe verglühen und holt flötenartige Töne hinzu. Der Lord of Dance zerlegt sich selbst, die Auflösung bleibt aus. Mindestens so toll, wenngleich komplett anders, gestaltet sich „Embers“. Irgendwann arbeitet sich eine leicht schiefe Hook heraus, hypnotisierend und für sich einnehmend. Das sollte eigentlich nicht funktionieren, tut es aber trotzdem.

Iceage klingen weiterhin so eigenartig und verwirrend wie menschenmöglich, jedoch mit noch mehr Unterhaltungswert versehen. Die Songs bleiben über weite Stellen kauzig bis unvorhersehbar, doch wirkt sich die gewonnene Klarheit positiv aus. Eigentümliche Exkurse in die eigenen seelischen Untiefen brennen sich ein, unorthodoxe Hooks lassen nicht los, der Spagat zwischen Post Punk, Folk, Art Rock, Indie-Chic und Dance-Attitüde birgt maximales Unterhaltungspotenzial in sich. „For Love Of Grace & The Hereafter“ klingt weiterhin nach einer Band, die dem Zusammenbruch nahe scheint, die dabei aber eine richtig gute Zeit hat. So sympathisch kann der komplette Verfall klingen.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Mexican Summer

Website: iceage.dk
Facebook: www.facebook.com/IceageCopenhagen