POM – Enlightened, baby

Ein starker Einstand, eine kurzweilige EP als Nachschlag … und jetzt? Wird einfach lautstark die nächste Runde eingeläutet. POM aus Amsterdam verwandeln emotionale Schwere in überdrehte Pop-Klänge. Persönlicher Verlust sollte bewusst zu Bewegung werden, anstatt im Schmerz festzustecken. Das niederländische Quartett erweitert seinen gitarrenlastigen Sound um Elektronik, Synthetik, Drum-Computer und mehrstimmige Harmonien, ohne dabei auf das kantige Fundament zu verzichten. All das und noch viel mehr steckt in „Enlightened, baby“, einem gewiss alles andere als schweren zweiten Album.
Der vorwitzige Retro-Bounce von To My Boy trifft auf lockeren Indie-Sound mit einer Prise Wet Leg: „I WANT IT!“ ist ein deutliches, lässig umgesetztes Statement. Tatsächlich macht der Drum-Computer Spaß und passt prima zu den tiefenentspannten Gitarren und den frechen, bestens aufgelegten Vocals, die abwechselnd schmeicheln und zum Angriff blasen. POM stecken ordentlich Ideen in diesen Track und sind doch nie überladen unterwegs – ein Kunststück für sich. Das Gegenstück könnte „Alone at last“ sein, dauert gerade einmal 135 Sekunden und stellt ordentlich Distortion in den Mittelpunkt. Kantiger Rock aus der Garage, dezentes Pop-Appeal und mächtig Volumen finden sofort zusammen.
„The Greatest Of Them All“ ist kunstvoll, verspielt und so weit zwischen den Stühlen platziert, dass man beinahe auf dem Hosenboden landet. Wäre schade, denn der Dreiminüter hat Witz und Charme, rollt gemächlich und understatet an, packt aber ebenso zu wie das laute, vogelwilde „LOVERS“. Der Beat wird komplett übersteuert, die schrammelnden Gitarren fachen das Chaos an. Im eröffnenden „Rover“ ist es hingegen eine singende Hook, die prima zur sympathischen Gesangsmelodie und dem energischen Rhythmus passt – hibbelig, kuschelig und auf bekömmliche Weise nervös. „hi“ packt sogar noch einen drauf, nähert sich Alternative- und Grunge-Riffs, und geht mit seinen Extra-Kanten hervorragend um.
POM brauchen nicht viel mehr als eine halbe Stunde, um die Klasse ihrer bisherigen Releases mehr als zu bestätigen und diese gleichzeitig zumindest teilweise auf den Kopf zu stellen. Zusätzliche Elektronik, drückende Beats und poppiges Augenzwinkern kollidieren mit den mittlerweile vertrauten Gitarren und versteckten Kanten, die den Sound der Niederländer bislang auszeichneten. Durch Bewegung entkommt man dem trauernden, erdrückenden Tunnelblick und entdeckt das Leben um einen herum wieder: „Enlightened, baby“ erfährt eine etwas andere Form der Erleuchtung und spendet Energie in sympathischer, mehr als unterhaltsamer Reinform.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 28.05.2026
Erhältlich über: Mattan Records / popup-records (SPV)
Facebook: www.facebook.com/POMopinternet
