Edgär – Behind The Wall

Edgär
(c) Grabuge Records / Riptide Records

Nach einem sympathischen zweiten Album demonstrieren Edgär eindrucksvoll, dass Totgesagte gelegentlich deutlich länger leben. Dafür brauchte es aber eine kleinere Metamorphose für das Duo aus Amiens, das seinen musikalischen Fokus verschob. Der Pop-Charme der Vorgänger hat (vorerst) ausgedient, stattdessen rücken die Gitarren komplett in den Mittelpunkt und langen beherzt zu. „Behind The Wall“ verpackt Ängste und Klaustrophobie in stark verzerrte Wände und Frontalattacken und schneidert daraus eine Art Mini-Anleitung für Katharsis, während der gewisse Funke Hoffnung immer wieder durchzuscheinen versucht.

Von schroffer Heavyness und Urgewalt ist aber keinesfalls die Rede, keine Sorge. Edgär haben nach wie vor ein Herz für Eingängiges. Das demonstrieren sie eindrucksvoll in Tracks wie „Big Mouth“, die zwar den neuen Rock-Drive in den Vordergrund rücken, aber zugleich sehr bekömmlich schrubben. Auf die etwas nachdenklicheren Strophen folgt ein kleiner, aber feiner Kraftakt samt Querverweis auf ein anderes Power-Duo: Johnossi. Gewisse Parallelen zeigen sich im Laufe dieses Albums immer wieder, unter anderem im fieberhaften „Distraction“, das als wahre Energieleistung ordentlich Staub aufwirbelt, das Tempo wiederholt anzieht, nur um in der Schlussminute komplett zu entschleunigen. Kann man machen, weiß zu unterhalten.

Lässig ist auch „Outside“, das einfach mal ordentlich das Gaspedal durchtritt und im Beinahesprint überrollt. Auch in diesem Fall gehen Edgär ins Ohr, selbst wenn sich der Chorus selbst überschlägt. Etwaige „Cracks“ zeigen sich erst spät, passenderweise am Albumende platziert. Der abgehangene Rocker mit einer kleinen, aber feinen Prise Pop klingt nach Sonnenschein und bester Laune, nach etwas Hoffnung und schemenhafter Enttäuschung. Noch lässiger wird es nur in „Mister G“, das die Brücke zu den bisherigen Alben schlägt und sich in bester Phoenix-Manier zurücklehnt. Sonnige Indie-Klänge, die auch ein wenig an die großen Hits von Hard-Fi erinnern, glänzen durch pure Coolness.

Edgär brechen mit dem eigenen Sound, ohne sich komplett von diesem loszusagen – liest sich wie eine halbgare Lösung, überzeugt aber auf ganze Linie. Der verstärkte Gitarrenfokus unterhält mit durchaus bekömmlichen Riffs zwischen Indie und Alternative, aber auch jenen Hooks und Melodien, die bereits die Vorgänger auszeichneten. Selbst kurze, intensive Pop-Momente flackern auf, doch regiert auf „Behind The Wall“ ohne Frage der Rock, was Vergleiche mit Johnossi und Konsorten erklärt. Das französische Duo spielt sich frei, haut ordentlich auf die Kacke und tut all das mit richtig guten Songs. Dieser kleine Schritt zur Neuausrichtung hat sich bezahlt gemacht.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 20.03.2026
Erhältlich über: Grabuge Records / Riptide Records

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