Panda Bear & Sonic Boom – A ? of WHEN

Panda Bear & Sonic Boom
(c) Austeja Sciavinskaite

Wenn Panda Bear und Sonic Boom zusammenkommen, wird es schräg, spektakulär und eingängig. „Reset“, das 2022 erschienene, erste gemeinsame Album von Noah Benjamin Lennox (Animal Collective) und Peter Kember (Spacemen 3), brachte Loops und Samples längst vergangener Pop- und Rock-Tage für etwas komplett Neues, Kunstvolles, leicht Anderweltliches zusammen. Im Laufe der Jahre trugen die beiden verschiedenste Ideen aus aller Welt zusammen – von mexikanischen Mariachis bis zum Jodeln aus der Schweiz. „A ? of WHEN“ verschmilzt Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, begleitet von deutlichen Kommentaren zu den politischen, gesellschaftlichen und ökologischen Hindernissen im Hier und Jetzt.

Das verzerrte, aus dem Äther aufbrandende Blubbern von „Lucky Charm“ schwebt durch luftleeren Raum und wird von Lennox‘ Gesang in Richtung Struktur gedrängt. Lose aufflackernde Steel-Drums, fast Gospel-artige Chöre und das komplette Fehlen rhythmischer Marker erzeugen flirrende Magie mit karibischem Flair. Hingegen geht das abschließende „Graveyard“ mit dem Esprit einer 60s-Novelty-Rock’n’Roll-Single in die Vollen. Nervöse Soundeffekte, eine gespenstisch angehauchte Surf-Atmosphäre und eine kleine, aber feine Hook finden zusammen. Bestenfalls sehr, sehr lose zusammengehalten, bemüht sich das Duo um maximales Verwirrspiel mit Ohrwurmgefahr.

„Be the bridge“ ist hingegen etwas näher am gängigen Sonic Boom-Sound, reduziert über weite Strecken, bremst sich selbst aus und deutet fast Drone-Charakter an. Dub-Einflüsse und ungefilterte Psychedelia stellen sich mutig entgegen. Das unterhält ebenso wie die Wucht des Openers „Never givin‘ in“, der mit drückendem Donnerhall loslegt. Ein erstaunlich lauter, schwerfälliger Beat wummert in den Gehörgängen, während sich dahinter Art-Pop-Gefühl in Reinkultur verbirgt. Auch der Titelsong „A ? of WHEN“ nähert sich der Überforderung, setzt dominante Claps und etwas Bass ein, während eine einsame Surf-Gitarre und Polizeisirenen gegen den Gesang ankämpfen.

Was sich zugegebenermaßen absolut bizarr und abgefuckt liest … ist über weite Strecken tatsächlich exakt das. Und doch so viel mehr. Wenige schaffen derart schräge, herausfordernde und zugleich auf schwer in Worte zu fassende eingängige Collagen wie die Achse Panda Bear & Sonic Boom. Neue Loops und Effekte tauchen aus dem gefühlten Nirgendwo auf, teils mehrere Jahrzehnte alt, und werden von dieser charmanten, melodischen Stimme ergänzt – als würde man die Beach Boys durch einen imaginären Fleischwolf drehen. So ist es letztlich nur „A ? of WHEN“, bis einen dieses Album voll und ganz in seinen Bann gezogen hat.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 10.07.2026
Erhältlich über: Domino Records

Panda Bear: pandabearofficial.com
Sonic Boom: sonicboomspacemen3.bandcamp.com