Go Mahhh – Doppelgänger

Go Mahhh
(c) Klara Johanna Michel

Berlins Bühnen sind bereits fest in ihrer Hand, nun folgt der nächste Schritt: Go Mahhh zählen zu den interessantesten Psych-Bands der Hauptstadt. Das Quartett liebt seine verwegene Reise durch Space und Zeit, irgendwie retro und doch fest im Hier und Jetzt verankert, wie eine Art imaginärer Missing Link zwischen Motorpsycho und den Crumpets. Eine erste EP spülte sie unter anderem auf die große Desertfest-Bühne, nun folgt der sprichwörtliche nächste Schritt. Auf „Doppelgänger“ loten die Musiker aus Peru, Deutschland und Irland ihren eigentümlichen Psych-Ansatz mit Fuzz-, Alternative- und Gaze-Note ein weiteres Mal konzentriert aus.

Und das geschieht mit Gusto, wie das famose „Happy Satan’s Reign“ unter Beweis stellt. Schnell rückt die kraftvolle Rhythmusabteilung in den Vordergrund, energisch und doch songdienlich, wobei die erste von vielen prominenten Basslines nicht loslässt. Vorwitzige, verspielte Gitarren, Effekte mit Madchester-Flavour und die lässig eingestreuten Vocals machen Laune. Das ist ab und ab fast Pop, driftet urplötzlich komplett ab und reißt mittendrin eine kolossale Jam-Session an, die sich selbst mit wachsender Begeisterung torpediert. Ein paar schrammelnde Gitarren später geht es zurück zum komplett durchgeknallten Leitmotiv, fertig ist das Gustostückerl.

Ein gewisses Augenzwinkern nehmen Go Mahhh gerne mit, langen im Fall des Falles aber auch schon mal beherzt zu. „BBSBBQ“ ist Berliner Lebensgefühl in Reinkultur, ein vertontes Treffen mit Freunden, begleitet von Proto-Doom und herrlich fiebrigen Einflüssen aus verschiedenen Kulturen. Hingegen geht „Anatoliosis“ weiter und weiter nach vorne, einem Fiebertraum gleich, der mehr und mehr in Richtung siedender Höhepunkt geht. Ein schwermetallisches Plateau kommt unerwartet. Im Vergleich dazu gibt sich „Mind Assault“ harmoniebedürftig, nur um wieder und wieder auszuschlagen. Sieben atemlose Minuten ziehen das Tempo an, werfen mit Effektpedalen um sich und nehmen mittendrin sogar fast meditative Formen an.

Mag schon sein, dass das hier ab und an ein wenig too much ist, aber im besten Sinne. Die kapitale Überforderung von „Doppelgänger“, selbst in luftigen bis eingängigen Momenten, hat absoluten Reiz. Sympathische Reizüberflutung ist das Markenzeichen eines Einstands, der Psych locker sieht und auch sonst sehr lässig unterwegs ist. Das konstante Springen zwischen der Genre-Ursuppe und deutlich moderneren Auswüchsen, die spacigen Einschübe, fast meditativer Gaze, komplette Fuzz-Reizüberflutung, funkige Tanzbarkeit und diese manischen, klaustrophoben Pop-Momente finden zusammen, irgendwie. Warum der Einstand von Go Mahhh so prima funktioniert, lässt sich nicht wirklich festmachen. Stark ist das Ding aber auf jeden Fall.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 29.05.2026
Erhältlich über: Noisolution (Edel)

Facebook: www.facebook.com/GOMAHHHH