The Secrecy – Pins & Needles

Darf es noch ein wenig mehr Post Punk sein? Revivalisten gibt es seit Jahren wie Sand am Meer. Nur wenige schaffen es bereits mit ihrem ersten Album, eine einigermaßen frische und eigenständige Note zu setzen. The Secrecy bewegen sich seit geraumer Zeit im Underground von Indianapolis und veröffentlichten die eine oder andere Single. Begleitet wurden diese von düsteren, cineastischen Gothic-Rock-Einflüssen und bewusst eingesetzten modernen Klängen. Mit dieser Antithese zum Genre-Trend wartet nun auch „Pins & Needles“ auf, das erste komplette Album des US-Quartetts, das noch emotionaler und immersiver als die bisherigen Releases klingen soll.
Der bärenstarker Opener „Theresa“ unterstreicht das gekonnt, bewegt sich zwischen eindringlichen Klängen, schwerfälliger Düsternis und einer mörderischen Hook, die sich rund um Darkwave und Synth-Pop bewegt, ohne den vermeintlichen Mikrokosmos komplett zu verlassen. Der energische Drive und die unwiderstehliche, fuzzige Gitarre, die nach etwa drei Minuten durchkommt, brennen sich ein. Als krasses Gegenstück stürzt sich „Watchers“ in Richtung EBM und Industrial, lebt von technoider Schwere und maximal verzerrten Riffs, während eine singende Gitarre mit Vocals aus dem frühen Killing Joke-Lehrbuch konkurriert.
Diese beiden Tracks umreißen in etwa die Extreme eines Albums, das sich mit Vereinsamung und Angstzuständen, politischem und menschlichem Verbindungsverlust intensiv auseinandersetzt. Im abschließenden Mini-Epos „Same“ setzt ein schleppernder, niedergeschlagener Trauermarsch ein. The Secrecy müssen sich stellenweise regelrecht durch diesen Song kämpfen, werden von seiner nahezu kapitulierenden Schwere, die musikalisch erstaunlich leichtfüßig umgesetzt wurde, fast erschlagen. Und doch ist diese intensive Auseinandersetzung mit schemenhafter Verzweiflung ebenso großartig wie das fieberhafte, finster-tanzbare „Dancing In The Fire“, das unter anderem angenehm an die famosen Spectres erinnert.
„Pins & Needles“ sitzt auf selbigen, macht nervös und glänzt zugleich mit frischen, unerwarteten Ansätzen, die gekonnt Post-Punk-Erwartungen sprengen und mit sympathischer Eigenständigkeit überraschen. The Secrecy mögen Finsternis, desolate Klanglandschaften und gekonnt platzierte Sollbruchstellen, die im besten Sinne Schmerzen bereiten. Die aber auch ins Ohr gehen, denn nur weil das US-Quartett mit dem vermeintlich Vorhersehbaren bricht, ist ihr Sound noch lange nicht unnötig unbequem oder hüftsteif. Satte Riffs, mächtige Synthi-Teppichs, ausgewählte tanzbare Passagen und Hooks lockern die Wand der emotionalen Schwere auf und unterstreichen ein mehr als bekömmliches Debüt.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 17.07.2026
Erhältlich über: Disorder Recordings
Facebook: www.facebook.com/thesecrecy
