Low Cut Connie – Livin In The USA

Rock’n’Roll hat nach wie vor einiges zu sagen, zumindest wenn Adam Weiner mit seiner Band Low Cut Connie das Heft in die Hand nimmt. Er fand sich 2015 auf Barack Obamas Spotify-Playlist wieder, zählt Elton John und Bruce Springsteen zu seinen prominenten Fans, und trat bei der Inauguration von Joe Biden auf. Seinen Auftritt im Kennedy Center sagte er nach der Trump’schen Übernahme der eigentlich überparteilichen Institution auf. Wenig überraschend erscheint mit „Livin In The USA“ nun eine Platte, die laut Weiners Statement dem brutalen, unmenschlichen und zunehmend authoritären Regime in seiner Heimat mehr als nur einen Mittelfinger zeigt.
Der vorab als Piano-Version veröffentlichte Titelsong entfaltet auch in kompletter Bandbesetzung seine Wirkung und geht als getriebener ICE-Protest unter die Haut. Hier wird nichts beschönigt, eine Aussicht auf schönere Zeiten verschwimmt vor dem Hintergrund des hausgemachten Terrors. In „Let Me Speak To Bobby“ kommen Blues und Soul hinzu und deuten ein ungesundes Gespräch an, was natürlich am Gesprächspartner liegt. Ein wenig Call and Response hier, ein verspieltes Piano da, während sich die Gitarre nach vorne kämpft – das Ringen um Fassung, begleitet von zynischen Untertönen, entfaltet magische Wirkung.
Überhaupt wachsen Low Cut Connie auf dieser Platte wieder und wieder über sich hinaus. „Oh Yeah“ trägt den Geist von Little Richard in sich, entpuppt sich als fieberhafter Rock’n’Roller mit Piano-Fokus und wird mit jeder Wiederholung des kurzen, knappen Refrains einen Tacken größer, massiver. Später geht der Gruß raus an die „Little Freakers“. Herrlich atemlose Action trifft zurückgelehnte, suchende Strophen, nur um im nächsten Moment mit wachsender Begeisterung komplett zu überdrehen. Das fast obligatorische Gitarrensolo ist natürlich richtig stark. Auch das abschließende „Palpitations“ geht nicht mehr aus dem Ohr, wunderbar mächtig und übertrieben, mit den vielleicht besten Vocals einer nicht nur dahingehend beeindruckenden Platte.
Weiner arbeitet sich exzellent am anti-demokratischen Regime und der Tech-Bro-Einflussnahme in seiner Heimat ab, die sich zunehmend globaler anfühlt. „Livin In The USA“ zählt zu den besten Alben von Low Cut Connie, verfügt über nahezu unendliche Energie und denkt Klänge, die längst zum musikalischen Herz der Staaten zählen, einmal mehr geschickt weiter. Rock’n’Roll ist endlich wieder revolutionär geworden und geht dabei verdammt noch mal ins Ohr. Viel Blues und Soul, ein stetes Bekenntnis zu den Wurzeln des Genres und pointierte, beklemmende Texte treffen wieder und wieder ins Herz – wichtig, großartig, angenehm unbequem.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 03.07.2026
Erhältlich über: Contender Records
Website: lowcutconnie.com
Facebook: www.facebook.com/lowcutconnie
