PEACH – Only Love

Ein Riesenalbum aus dem gefühlten Nirgendwo … und jetzt? Gleich mit dem Einstand gelang PEACH ein Volltreffer. Das Quartett aus Bristol veröffentlichte sein Debüt im September 2023 und punktete mit einer wütenden, intensiven Mischung aus Alternative, Grunge, Post Punk und Noise sowie dem einen oder anderen Abstecher in die Wüste. Daran hat sich seither herzlich wenig geändert. „Only Love“ tritt nun ein schweres Erbe ein, tobt sich mit den gewonnenen Erfahrungen der letzten Jahre aus und hat hörbar wenig Lust darauf, auch nur im Geringsten nachzugeben – das sollte spätestens nach einem Blick auf das Artwork keineswegs überraschen.
Abermals neun Songs rattern mit Urgewalt durch. Alleine das eröffnende Doppel macht diese Platte bereits mehr als hörenswert. Erst überrascht „Unhappy People“ mit einem geradlinigen Riff und wütendem Stampfen, während Ellie Godwin ihrer Stimme abermals faszinierende Facetten abringt – erst verspielt bis verrucht, dann wütend und giftig. Vom Desert-Stomper bis zur noisigen Wand ist es nicht weit. Danach lässt „Signs“ erst einmal die Saiten aufheulen, bevor sich die Strophen in Kargland verwandeln. Es passiert herzlich wenig – mehr Platz für die Frontfrau, um sich mit Stimmakrobatik auszutoben. Selbst in diesem vergleichsweise aufgeräumten Umfeld bleibt Platz für furiose Attacken.
Je länger das Album dauert, desto häufiger häuten sich PEACH. Wie im Quasi-Titelsong „It’s Only Love“, einer fünfminütigen Tour de Force, die sich nur schleppend aus ellenlangem Bassgrollen erhebt und bei gedrosseltem Tempo immer wieder auf dem Stand durchdreht. Entfremdete Gitarren hetzen das Griffbrett rauf und runter, die Rhythmusabteilung strahlt Psychoterror aus. Auch „I Don’t Like You“ rastet gerne unerwartet aus, was angesichts des süßlichen Desert-Rock-Auftakts überrascht. Aus dem Nichts hebt das englische Quartett ab und gibt sich so wild wie menschenmöglich. Dass Godwin in „The Nerve“ stellenweise sogar der Stimmakrobatik von Skunk Anansie-Legende Skin Konkurrenz macht, begeistert.
Mut zu bekömmlicher Hässlichkeit wird einmal mehr zur Stärke der UK-Band: Eigentlich serviert „Only Love“ schwer verdauliche Kost, sollte man meinen. Wiederholte Noise-Attacken, unorthodoxe Song-Strukturen und bevorzugt unbequeme Arrangierung fordern heraus, keine Frage. Und doch kann man sich dem zweiten PEACH-Album nicht entziehen, weil die eingängigen Momente nicht mehr aus dem Ohr gehen, weil das Spiel mit Dynamik und den Gezeiten unter die Haut geht, weil hier eine der interessantesten Rock-Stimmen der letzten Jahre eine glanzvolle Performance abliefert. Der Aha-Effekt des Einstands ist nicht mehr ganz da, trotzdem ist dieses zweite Album erneut richtig groß.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 13.03.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: www.peachband.uk
Instagram: www.instagram.com/peachband__
