Temples – BLISS

Seit bald 15 Jahren ackern sich Temples aus Kettering durch ihren ureigenen Psych- und Alternative-Mikrokosmos. Nachdem ihre ersten drei Alben in den UK-Charts gelandet waren, der Einstand sogar auf Platz 7, lief mit „Exotico“ im Frühjahr 2023 rein gar nichts. Einige Fans, die die Band auf Tour getroffen hatten, wussten nicht einmal von der neuen Platte. Dieser Schock musste erst einmal verdaut werden. Neue Songs ergaben sich erst nach und nach anhand von Home-Recording-Ideen, man baute sich ein neues Team auf, wechselte zu V2 Records und nahm zudem alles in Eigenregie auf, arbeitete einzelne Tracks sogar erst im Studio fertig aus. „BLISS“ ist mehr als nur ein lautstarkes Lebenszeichen geworden.
Zu den vertrauten Klängen gesellt sich eine tiefe Verbeugung vor den melancholisch angehauchten Dance-Sounds der späten 90er Jahre, am Übergang von Rave-Kultur zu Ibiza-Sundowner. Im Opener „Jet Stream Heart“ geht es darum, von der Musik verführt zu werden. Wütende Beats und Synths ziehen sofort in ihren Bann, sympathische Psychedelia und James Edward Bagshaws verträumte Vocals werten den wuchtigen Song gewaltig auf. Auch „Revelations“ ist auf seine Weise club-tauglich und zieht die nächste überdimensionale Hook auf. Pulsierende Schwere und ein überraschender Pet Shop Boys-Abschnitt mittendrin bieten maximalen Unterhaltungswert.
Wieder und wieder finden Temples in Richtung Dancefloor. „Vendetta“ hat sogar eine kleine, aber feine Trance-Melodie, die mit ausgesuchter Präzision herausgearbeitet wird und betanzt werden muss. „Waiting On The Echoes“ will sich atemlos treiben lassen, dockt im Schlussakt ein wenig bei Pendulum an und ist im Herzen doch eine wunderbar poppige Psych-Nummer mit viel Herz und Seele. „Megalith“ packt dafür ordentlich Gitarren drauf, nähert sich kapitaler Übertreibung und häutet sich mittendrin gleich mehrfach. Eine Wendung nach der anderen führt auf die falsche Fährte und geht dennoch ins Ohr. Das Understatement von „Blue Flame“ mimt die After-Hour-Zugabe.
Temples schlagen die Brücke zwischen Reading und Hacienda mit einem echten Leckerbissen von einem Album, das zugegebenermaßen den einen oder anderen Anlauf benötigt, um so richtig zu zünden. Zwischen Psychedelic Rock, Alternative, Indie, Pop, Dance, Rave und Trance liegen teils gewaltige Gräben. Dass „BLISS“ diese zuschüttet und für ein harmonisches Ganzes sorgt, weiß zu begeistern. Elektronische Peaks werden mit eindrucksvoller Präzision angesteuert und klingen dabei organisch, natürlich, harmonieren wunderbar mit den verträumten bis verplanten Ausflügen in gänzlich andere Sphären. Temples erfinden sich auf Raten neu und überraschen mit einem betont ungewöhnlichen, eingängigen und pulsierenden Nachtclub-Psychedelia-Album.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 26.06.2026
Erhältlich über: V2 Records (Bertus)
Website: www.templestheband.com
Facebook: www.facebook.com/templesofficial
