Les Big Byrd – Ruin Everything

Seit nunmehr stolzen 15 Jahren sorgen Les Big Byrd in schöner Regelmäßigkeit für psychedelische Hochspannung. Längst hat das Quartett aus der schwedischen Hauptstadt Stockholm seinen ganz eigenen Sound gefunden – zugleich krautig, spacig und poppig. Für die Aufnahmen ihres inzwischen fünften Studioalbums ging es in ein geschichtsträchtiges Studio nördlich der Heimat, umgeben von vornehmlich analogem Equipment, um die Live-Atmosphäre auf Platte einzufangen. „Ruin Everything“ nimmt die nordische Apokalypse Ragnarök als Ausgangspunkt für düstere Auseinandersetzungen mit dem Hier und Jetzt.
Der drohende Untergang eröffnet das epische „Big Flood“. Das hört man den hoffnungsvollen, sehr sympathischen Klängen aber herzlich wenig an. Psychedelische Entfremdung, helle und freundliche Vocals, gemächliches Tempo und eine Armada an Details suggerieren eine Form von Idylle, die eigentlich unmöglich geworden sein sollte. Tatsächlich trifft das zu, wie ein Blick auf die Lyrics zeigt. Wenn mittendrin die schroffe, fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrte Gitarre das Heft in die Hand nimmt, ist alles eitel. Im ewig schwebenden „Nån annan dag“ geschieht der Szenenwechsel hingegen auf sachte, dennoch bestimmte Art. Mittendrin heben Les Big Byrd kurz, aber bestimmt ab, bevor der Schlussakt herzhaft und doch eingängig zupackt.
Darf es ein wenig forscher sein? Der kurze, knackige Titelsong „Ruin Everything“ serviert kraftvollen Krautrock der atemlosen Art, geht ohne Umwege nach vorne und hetzt durch Raum und Zeit. Auch „Artificial Sunlight“ bringt etwas mehr Tempo mit, setzt aber bevorzugt auf (keinesfalls künstliche) sonnige Harmonien. Wieder und wieder droht der Track zu kippen, doch bringt die stets ruhelose Rhythmusabteilung das Geschehen zurück in die Spur. Für das abschließende „Beginners Luck“ ließen sich die Schweden von Gospelklängen inspirieren – alles andere als religiös, dafür hoffnungsvoll. Meditativer Drive und zarte Zuversicht nehmen das Heft in die Hand.
Ein Gespür für magische Melodien und zarte Entfremdung dominiert diese abermals sympathische Platte. „Ruin Everything“ tritt düsteren Zeiten respektvoll und entschieden entgegen und bietet ihnen die spacig-krautige Stirn. Sämtliche Qualitäten der bisherigen Alben wurden konzentriert, intensiviert und weiter optimiert. Speziell die feinsinnigen Melodien und poppigen Hooks, die vor allem die Vocals durchziehen, bekommen noch mehr Platz eingeräumt, ohne die nach wie vor ausschweifenden Arrangements in irgendeiner Weise zu beschneiden. Hier passt Summe der einzelnen Teile prima zusammen und unterstreicht einmal mehr die Klasse von Les Big Byrd.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 05.06.2026
Erhältlich über: Chimp Limbs / PNKSLM Recordings (Cargo Records)
Facebook: www.facebook.com/lesbigbyrd
