Red Dwarf Star – LP1

Red Dwarf Star
(c) Brian McCall (400bpm.com)

Seit seinem Umzug von den USA in die Schweiz läuft das Leben bei Coley Dennis etwas anders. Der Alltag ist von Familie und Beruf geprägt, seine Band Maserati veröffentlichte sein letztes Album vor über sechs Jahren und schraubt seit geraumer Zeit an einem Film-Soundtrack, der heuer erscheinen soll. Zwischenzeitlich schrieb er eigene Songs, inspiriert durch den Alternative- und Post-Hardcore-Sound der 90er, jedoch zusehend krautig und elektronisch verfremdet. Red Dwarf Star wachsen aktuell vom Solo-Projekt zur kompletten Band an (u. a. mit aktuellen und ehemaligen Mitgliedern von Jeffk, Kruger, Orso und Lenore), der Einstand heißt schlicht und ergreifend „LP1“.

Wenig überraschend bewegen sich diese acht Tracks zwischen teils widersprüchlich scheinenden Welten. Bereits der Opener „Le Mur De Son“ beweist, dass das kein Problem darstellt. Knarzende, sehnsüchtige Gitarren aus dem Intro versiegen schnell, ein klassischer Post-Rock-Aufbau trifft auf Dennis‘ entfremdete Vocals. Hymnische, verträumte und leicht krautige Passagen wiegen in Sicherheit, bevor wütende Gitarren und massig Distortion in den Schlussminuten um Ausgleich bemüht sind. „Ex-Patriot“ geht es vergleichsweise forsch an, vermengt die spacigen Vocals mit Uptempo-Elan und verwaschenem Shoegaze. Das sollte eigentlich nicht zusammenpassen, macht aber Laune.

Widersprüche gehören aber so und so zu diesem Einstand. „Twin Suns“ lehnt sich nahezu sieben Minuten lang zurück und lässt sich die Sonne auf den Pelz brennen. Shoegaze, Alternative, bizarre elektronische bis krautige Einschübe und betonte Lässigkeit winden sich in endlosen Schleifen durch die gerne mal schwere Leichtigkeit des Seins. Die Verwirrung hinterher geht in Ordnung. Hingegen lässt „Lady Aurora Borealis“ das Arrangement in betonter Gemächlichkeit entgleisen. Die finstere, leicht mystische Grundstimmung passt ebenso perfekt ins Bild wie das wiederholte Plateau mit schroffer Note und schneidendem Schmerz. „Kiss“ lässt zum Abschluss nochmals alle Post-Hardcore-Herzen höherschlagen, wenn nach ellenlangem Einbau alles krachend zusammenbricht.

Geduld ist für dieses erste Album Pflicht, wird fürstlich entlohnt. Dennis knüpft natürlich an den Sound von Maserati an, das sollte kaum überraschen, entwickelt diesen aber zugleich in komplett neue Richtungen. Die Post-Hardcore-Ausraster sind selten, dafür richtig schön intensiv, während das Zusammenspiel von Dream-Pop, Post Rock, Alternative und krautiger Elektronik erst verwirrt, dann verzückt. „LP1“ präsentiert sich schräg und kauzig, nimmt zugleich beherzt in den Arm, tänzelt durch die Sonne und gibt sich lächelnd dem verkopften Wahnsinn hin. Red Dwarf Star klingt ohne Frage einzigartig, komplett überfordernd und wie eine innige Umarmung.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 03.07.2026
Erhältlich über: Pelagic Records

Bandcamp: reddwarfstar.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/red_dwarf_star