Joyous Wolf – In Between

Rockende Urgewalt aus dem kalifornischen Süden: Seit 2014 sorgen Joyous Wolf vor allem lokal für Aufmerksamkeit. Sie spielten zahlreiche Gigs, veröffentlichten eine EP und diverse Singles, später sollten diverse internationale Auftritte folgen. Das verwundert keinesfalls, denn ihr recht traditioneller und zugleich energischer Sound klingt wie aus der Zeit gefallen, zitiert alte Meister und wirkt dennoch angenehm modern. Zwischen Alternative, Blues, Hard Rock und sogar etwas Soul und Grunge landet nun „In Between“ als komplettes Album in aller fieberhafter Urgewalt.
Sofort fällt die unfassbar kraftvolle Stimme von Pedro Cordiero auf, der beinahe Unmenschliches aus seinen Stimmbändern presst und als bluesiger Rock-Crooner zudem mit richtig viel Dreck und Gefühl aufwarten kann. Der kurzweilige Opener „Runaway“ geht mit wachsender Begeisterung nach vorne, wie ein lockerer Rock-Boogie. Robert Sodaro und Greg Braccio geben die solide Rhythmusabteilung, Blake Allard schüttelt Riffs und Soli am laufenden Band aus den Saiten. Richtig groß wird es aber im anschließenden „Juniper“. Was wie ein gefälliger US-Rock-Radio-Song beginnt, der so auch vor 20 bis 25 Jahren funktioniert hätte, wird schließlich zu Cordieros Showcase. Nicht zum letzten Mal erinnert er an die pure Kraft eines Chris Cornell, singt den Track förmlich an die Wand, während dieser mit jeder Sekunde wächst.
Derlei intensive, monumentale Momente gibt es auf dieser Platte immer wieder. Im Falle von „Storm“ ist es eine ruhigere, fast sommerliche Nummer, die mit klaren Gitarren und feinsinnigen Harmonien auftrumpft. Legere Entspannung trifft auf nicht zu verachtenden Drive, schnell fühlt man sich in einer Art Sog wieder. Das zunächst ruhige, dann explosive „Karma“ spielt mit etwas Melancholie, überrascht mit semi-akustischen Klängen zu Beginn und geht schließlich durch die Decke. Vier atemlose Minuten später ringt man immer noch mit Fassung. Die geht auch im abschließenden „The Mechanic“ schnell verloren, wobei der nachdenkliche Auftakt erst einmal auf die falsche Fährte führt. Gemächlicher Aufbau, ein zweiter Cornell’scher Querverweis samt unfassbaren Schreien und endlose Soli in den Schlussminuten faszinieren.
Zwar gibt es zwischendurch auch ein paar solide Standards, die nicht komplett mit dem Rest mithalten können, aber das macht letztlich nichts. Selbst in den braven Momenten bleiben Joyous Wolf gutklassig, schreiben dazu ab und an richtig große Songs. Natürlich erzählt das viel Vertrautes im weiten Rock-Umfeld, keine Frage, aber eben auf exzellente Weise. „In Between“ lebt von einem exzellenten Sänger, der mal eben alles niederbügelt, vielseitig und gefühlvoll unterwegs ist. Die Songs machen zumeist ebenso Laune, werfen einen Blick über den Rock-Tellerrand und brennen sich ohne Umwege ein. Gelegentlich genial, noch nicht durchwegs wahnwitzig, aber sehr unterhaltsam: Joyous Wolf positionieren sich schon mal richtig stark.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 21.08.2026
Erhältlich über: Blue Grape Music
Facebook: www.facebook.com/joyouswolf
