The Fourth Wall – Memories Of The Future

Schwere Kost scheint The Fourth Wall anzuspornen. Vor zweieinhalb Jahren setzte sich Mastermind Stephen Agustin auf „Return Forever“ mit den Erfahrungen von Einwanderern auseinander und griff dabei unter anderem auf die eigene Familiengeschichte zurück. Nun wandert der Blick nach vorne und befasst sich mit einer Zukunft, die immer aussichtsloser wird, wo Leere für Reizüberflutung sorgt, wo wenig Lebenswertes bleibt und die Zuflucht in alternative Realitäten Gang und Gäbe scheint. „Memories Of The Future“ denkt die Krise auf hochspannende Weise weiter.
Das wunderbar hymnische, zugleich kratzende „City Lights Receding“ bringt den melodischen Noise Rock des Quintetts auf den Punkt und thematisiert zugleich die Sehnsucht nach etwas, das einmal war, das vielleicht nie (wieder) passieren wird. Beflügelnde, helle Vocals, stoischer Marsch nach vorne und die bedrohlich um das Arrangement kreisenden Instrumente verbinden Unbehagen mit Charme. Ein wenig Zuckerbrot und Peitsche kennt auch „For No One’s Eyes“ und schrubbt mit wachsender Begeisterung einer unwirklichen Aussichtslosigkeit entgegen. Hier trifft ein stoisches Riff auf poppige Psychedelia, monumental und selbstzerstörerisch zu gleichen Teilen.
Dieser Spagat passt auch zu „Kármán Line“, das sich mit dem Raketenbauer Mike Hughes befasst. Er ließ sich den Bau einer dampfbetriebenen Rakete von Flat Earthern finanzieren, stürzte 2020 ab und verstarb dabei. Maßlose Waghalsigkeit, Flucht aus der Realität und Grandezza treffen auf eingängige, ruppige Monumentalität. Doch auch etwas ruhigere Nummern, wie der abschließende Quasi-Titeltrack „Future Memory“, haben ihren Reiz. Der konstante Aufbau, gepaart mit der ganz feinen Klinge, macht Laune. In bester Post-Rock-Manier gewinnt das Ding langsam, aber sicher an Intensität. Wenn schließlich nach etwa zweieinhalb Minuten das Plateau erreicht ist und die maximal verzerrte Gitarre übernimmt, ist alles eitel.
Thematisch herausfordernd, musikalisch verhältnismäßig freundlich: The Fourth Wall rutschen einmal mehr zwischen den Sitzen umher und fühlen sich dort pudelwohl. Speziell die poppigen, melodischen Momente wirken noch einen Tacken heller und funkelnder, zudem wurde kräftig in verspielte und doch nie überfordernde Songaufbauten investiert. Etwas mehr Post Rock, dezent unterschwelligere Noise-Exkurse und eine dennoch konsequent unbequeme Präsentation ziehen sich durch das fünfte Studioalbum. „Memories Of The Future“ befasst sich mit zermürbenden Fragen und geht selbst in schroffen Momenten deutlich leichter ins Ohr – eine weitere tolle Platte einer tollen Band.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 28.08.2026
Erhältlich über: DevilDuck Records (Indigo)
Website: www.thefourthwallband.com
Facebook: www.facebook.com/thefourthwallpdx
