Dinosaur Jr. – There Near

Dinosaur Jr.
(c) Jeff Fowler

Nach diversen Live-Platten und Archiv-Releases ist es wieder Zeit für komplett Neues von Dinosaur Jr. Mittlerweile hat sich bei den Indie- und Alternative-Veteranen ein lockerer Fünf-Jahres-Rhythmus eingebürgert, der für J Mascis, Lou Barlow und Murph zu funktionieren scheint. Die elf neuen Tracks entstanden über ein Jahr hinweg in mehreren kurzen, intensiven Arbeitsphasen, darunter zwei Barlow-Kompositionen. Zudem entdeckte Mascis einen alten Mesa Boogie MK 1 Amp aus den 70er Jahren, der bereits bei den Aufnahmen des Debüts vor über 40 Jahren zum Einsatz kam und dessen Sound er seit geraumer Zeit hinbekommen wollte. Entsprechend energisch klingt „There Near“.

Das beginnt bereits beim eröffnenden „Several Got Away“, ein in jeder Hinsicht typischer Dinosaur Jr.-Ohrwurm. Barlow und Murph wirbeln im Rhythmusbereich Staub auf, während Mascis seine Gitarre noch einen Tacken kantiger und knorriger klingen lässt – die Investition hat sich gelohnt. Gewohnt lässig aus dem Mund tropfende Vocals, eine urplötzlich aufflammende Hook und das überdrehte, leicht kaputte Gitarrensolo – eben alles dabei, was es für einen Mini-Hit braucht. Ein solcher ist auch das angenehm rohe „Take Me With You“, das stellenweise kratzt und beißt, nur um mit einer Portion Hall auf dem falschen Fuß zu erwischen. Reverb weicht später dem obligatorischen Nackenschlag.

Barlows Tracks wirken wieder etwas zurückhaltender, offenbaren dabei gewohnt pointierte lyrische Tiefe inklusive beißender Attacken auf den politischen Status Quo. Speziell das abschließende „No One’s Ready“, das nach einem eröffnenden Mascis-Solo richtig schön grummelig rüberkommt, macht Laune, aber auch die zurückgelehnte, sonnige zweite Single „Blowin‘ Up“ hat ihren Charme. „Put It Down“ nimmt stellenweise sogar regelrecht balladeske Züge an, bevor sich die gewohnt maximal verzerrte Gitarre in den Vordergrund drückt – ein packender Kontrast. Hingegen erinnert „Gone Off“ gerne mal an die Anfänge, holt sogar ein wenig Power-Pop à la Hüsker Dü hinzu und klingt doch stets nach Dinosaur Jr.

Mächtig, deftig, herzhaft und eingängig ab der ersten Sekunde: So etwas wie eine Überraschung gibt es auf „There Near“ nicht zu hören. Dinosaur Jr. knüpfen stattdessen einfach an den Sound und die Klasse ihrer jüngsten Platten an und lassen laufen. Was sich so einfach liest, spricht einmal mehr für die große Klasse der mittlerweile Ü60-Veteranen, die rein gar nichts an Altersmilde erkennen lassen. Murph verdrischt sein Kit nach wie vor mit Gusto, Barlow lässt Gift und Galle über sanfte Melodien ergießen, dazu wirkt Mascis mit dem alten, neuen Verstärker noch eine Spur energischer. Durch die Bank gute Songs, kleine Ohrwürmer und vertraute Kost machen Laune. Dinosaur Jr. bleiben in ihrer eigenen Liga.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 28.08.2026
Erhältlich über: Jagjaguwar (Cargo Records)

Website: www.dinosaurjr.com
Facebook: www.facebook.com/DinosaurJr