Ceremony – Tell Me Your Dream

Ceremony
(c) Martin Sorrondeguy

Zwischendurch mal eben für sieben Jahre kein neuer Stoff, die eine oder andere Tour, plötzlich wieder auf der Matte: Ceremony hatten sich nach „In The Spirit World Now“ mit neuem Material erst einmal Zeit gelassen. Wohin die Reise nach noch stärkerem Post-Punk-Fokus gehen sollte, musste genau überlegt werden. Die Antwort liegt im Überall und im Nirgendwo, denn man bedient sich aktuell bei so ziemlich allen kreativen Phasen. Einmal mehr gemeinsam mit John Reis erarbeitet, der bereits für das 2015 erschienene „The L-Shaped Man“ hinter den Reglern saß, wollte das Quintett wachrütteln. „Tell Me Your Dream“ kämpft gegen Gleichgültigkeit an.

Die Hardcore-Punk-Rumpelkammer „Other Hells“ dockt an die Anfangstage an, gibt sich hektisch und wütend, nur um den gelegentlichen Schwenk zu etwas melodischeren Gefilden zu vollziehen. Dort fühlt sich „Deep Down Where I Belong“ bereits richtig wohl und holt etwas Death Rock hinzu, gibt sich finster und eingängig. Ross Farrar haut eine unübersichtliche Menge an Silben raus, die Gitarren schrammeln sich einen Ast und sogar eine feine Prise Düster-Pop mischt mit. „Death Destruction Mayhem“ landet schließlich in den zuletzt prominenter gewordenen Post-Punk-Untiefen, zieht das Tempo an und geht mit seinem knackigen Chorus nicht mehr aus dem Ohr.

Für Abwechslung ist also gesorgt: Ceremony toben sich in Songs wie „Dark Summer“ auf selbst für sie etwas ungewöhnlichere Weise aus. Indie Rock mit einem Blick hinter die Garagentür macht Laune, tatsächlich etwas sommerlich und unwirklich, fluffig bis plüschig. So viel Wave-Charme hätte man eher weniger erwartet, dann schon eher das zerrissene „10 Planets“. Das brennt sich ebenfalls auf sympathische Weise ein, ist mit seiner kunstvollen Punk-Rock-Hektik aber zugleich auf willkommene Weise kauzig – wie lineare Squid oder Wire. „Prograde“ dreht letztlich alle Regler nach oben und serviert ein apokalyptisches Stück Post Punk mit Luftalarmbeigeschmack.

Drastisch, aufwühlend, politisch und selbst in eingängigen Gefilden unbequem: Ceremony nützen diese halbe Stunde, um noch einen Ticken heftiger am Rad zu drehen. Tatsächlich schwingt hier aus so ziemlich allen Bandphasen etwas mit, selbst die zwischenzeitliche Rückkehr zum Hardcore hat ihren Charme. Und doch glänzt „Tell Me Your Dream“ vor allem in der Finsternis, die von lichten Momenten aufgebrochen und verzerrt wird. Post Punk dominiert immer noch, wenngleich nicht ganz so drastisch, zudem nehmen die Hooks und Melodien zu. In diesem Umfeld kann man textlich gleich beherzter zulangen – die perfekte Abrundung für eine sympathische, eigentümliche und bekömmliche Platte, die Ceremony noch ein Stück besser macht.

Wertung: 4/5

Erhältlich ab: 07.08.2026
Erhältlich über: Relapse Records (SPV)

Website: www.ceremonyhc.com
Facebook: www.facebook.com/ceremony