The Meffs – Business

Punk muss wehtun, musikalisch wie inhaltlich. The Meffs beweisen aktuell Haltung und thematisieren, wie alles vor die Hunde geht. Das Duo aus Essex macht unheimlich viel Lärm, gepaart mit knackigen Riffs und pointierten Texten – mal verletzlich, mal so unbequem wie menschenmöglich. Der ansonsten im Metal-Umfeld tätige Produzent Dan Weller kümmerte sich darum, den drastischen Live-Sound von Sängerin/Gitarristin Lily Hopkins und Drummer Lewis Copsey einzufangen. Das tut „Business“, dem zweiten Album der Engländer:innen, hörbar gut, und fängt die Qualitäten einer Platte ein, die laut Band von der ersten bis zur letzten Sekunde fest an die Wand drücken soll – wie es Unternehmen eben auch tun.
Der Titelsong stimmt die Gitarre richtig schön tief, während Hopkins ihre zynischen Zeilen aus der Unternehmerperspektive spricht und diese langsam in die Allgemeingültigkeit für die Musikwelt und den Alltag verschiebt. Noisiges Brodeln und urplötzliche Eskalationen steuern auf einen fieberhaften Gipfel zu. Auch in „So Modern (Keep Up)“ wird mehr gesungen und gesprochen. Der Sarkasmus lässt sich nicht von der Hand weisen, dann geht der Chorus mit einem heiseren Schrei urplötzlich durch die Decke und klingt dabei so atemlos wie menschenmöglich. In „Law“ tummelt sich ein aggressives Riff, das von Wellers Metal-Qualifikationen hörbar profitiert.
Kurz vor Schluss schleicht sich ein überraschender Gast ein: Ingo Knollmann von den Donots mischt in „God Complex“ mit und steuert zu dem abermals metallisch angehauchten Track ein paar Backings bei – das findet gut zusammen. Ansonsten machen The Meffs aber alleine Laune, brauchen in „Fight“ bloß 32 Sekunden zum wütenden Glück und lassen den hektischen, überdrehten Opener „Dreamin'“ kaum doppelt so lang erklingen. Es braucht eben nicht viel, um sich laut und deutlich zu positionieren. Einzig „Like Gravity“ überspringt die Drei-Minuten-Marke und tobt sich mit wachsender Begeisterung aus. Selbst das gedrosselte Tempo kann der understateten Eskalation nichts anhaben.
Dabei sind solche Atempausen gar nicht mal so verkehrt, gerade wenn das Ding mit aller Urgewalt mal einfach durchrattert, wieder und wieder und wieder. Knapp 26 Minuten Dauerdruck und pure, ungefilterte Energie machen sich mit wachsender Begeisterung breit, zeigen die Zähne, langen beherzt zu und nehmen kein Blatt vor den Mund. Tatsächlich fühlt man sich bei „Business“ wie vor der Bühne, wird von The Meffs mit wachsender Begeisterung zerlegt und torpediert. Die pure Wucht dieser elf Tracks macht Laune, die deutlich metallischere Schlagseite bekommt dem Punk richtig gut, zudem trifft Hopkins‘ Vortrag wieder und wieder mitten ins Herz. Das tut auf wunderschöne Weise weh.
Wertung: 4/5
Erhältlich ab: 11.09.2026
Erhältlich über: FLG (SPV)
Website: www.themeffs.com
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